6.8.: Ausbilder stellen sich vor

Am 6. August stellten sich Ausbilder unseres Teams mit ihrer Arbeit vor. Der Begriff „Ausbilder“ traf es leider nicht ganz genau, denn neben drei Ausbildern sollten zwei Physiothereapeutinnen bei Vorträgen zu hören und mit ihrer Arbeit zu sehen sein.

Daher auch der Entschluss, diese äußerst gelungene Veranstaltung im nächsten Jahr auf ein ganzes Wochenende auszuweiten und dies dann als „Themen-Wochenende“ zu bezeichen. Geplant ist eine Lehrveranstaltung mit ähnlichen Themen wie jetzt am 6. August, darüber hinaus aber noch mit Vorträgen bzw. praktischen Vorführungen von Tierarzt, Hufschmied, Sattler etc.

Doch nun lassen wir erst einmal den spannenden Samstag Revue passieren – mit Vorträgen bzw. praktischen Vorführungen stellten sich vor:

Corinna Scholz (www.tanzende-hufe.de)
Petra Köpcke (www.petra-koepcke.de)
Sabine Geier (www.pferdeosteopathie-online.de)
Ebba Woywode (www.die-kunterbunte-pferdetruppe.de)

Physiotherapeutin (für Pferde und Hunde) Martina Stöhr hatte leider ganz kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Wir alle wünschen Ihr auf diesem Wege von ganzem Herzen gute Besserung!!

Es wurde ein extrem spannender, unterhaltsamer und abwechslungsreicher Tag. Insbesondere Sabine Geier fesselte mit ihren Vorträgen und Demonstrationen und verstand es, die Begriffe Osteopathie, manuelle Therapie, Physiotherapie, osteotherapeutische Behandlung etc. in’s rechte Licht zu rücken und die Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zu erklären.

Neben spannenden Vorträgen demonstrierte sie Behandlungsmethoden an Reiter und Pferd. Zudem hatte sie hervorragendes Anschauungsmaterial mitgebracht – neben den Schädeln von Mensch und Pferd auch ganze Wirbelsäulen. An der menschlichen demonstrierte sie u.a. den Bandscheibenvorfall.

Petra Köpcke erklärte in Wort und Bild und schließlich am Welsh-Cob Baylies die Hilfengebung und das Konzept der Schule der Légèreté. Auch sie ging detailgenau auf körperliche Zusammenhänge und logische Folgen ein. Ihre Schülerin Maike stellte den hübschen Wallach anfangs an der Hand vor, hier wurde gezeigt, wie das Pferd ohne Reitergewicht lernt, wie es auf das Gebiss reagieren soll. Dies wurde später unter dem Sattel abgerufen, hier zeigten Maike und Baylies dann Dehnungshaltung, Übergänge und Seitengänge.

Corinna Scholz demonstrierte mit ihrem P.R.E. Joya, wie Takt und Hinterhandaktivität mit der Grundspannung in Einklang stehen bzw. durch den Wechsel in der Grundspannung verändert werden können. Hier wurde insbesondere deutlich, wie wichtig die Nachgiebigkeit des Pferdes und die Beweglichkeit des Halses sind, um einen tätigen Rücken zu erhalten.
In einem späteren Vortrag erfuhren die Zuschauer diverse Details zur Doma Vaquera, der Reitweise der spanischen Rinderhirten. Hier wurde viel Hintergrundwissen vermittelt und ein Einblick gegeben in die Grundausbildung des jungen Vaqueropferdes und in die Lektionen der Doma Vaquera als Turnierdisziplin. Den Abschluss dieser Vorstellung bildete die Arbeit mit der Garrocha, hier war der elegante Schimmel in seinem Element.
In einer Unterrichtseinheit mit Ines Diepenbruck und ihrer Lusitanostute Sureña ging es um das „innere Bild“. Corinna gab Ines während des Reitens blitzschnell Prioritäten vor, die Ines in klaren Worten und mit einer deutlichen Vorstellung, eben dem „inneren Bild“, an die Stute weitergeben sollte. So wurde aus dem flachen, schnellen Galopp durch die Worte „ich bin schwer“, „bergauf“, „bleib bei mir“ und „Treppe“ – jeweils immer in dem Moment, in dem das Jeweilige Priorität hatte – der Galopp sichtbar ausdrucksvoller und runder. Mit „Treppe“ war hier gemeint, daß Ines sich deutlich vorstellen sollte, Stufen hinauf zu galoppieren. Jeder Galoppsprung geht eine Stufe hinauf. So halfen die Worte „schwingen“ und „größer“, den Trab zu verbessern, im Rückwärtsrichten wurde das Kopfschlagen abgestellt durch „bleib rund“. Eine beeindruckende Demonstration einer sehr schön sitzenden und fein einwirkenden Reiterin, die zeigte, daß die mentale Kraft weit vor der körperlichen steht, wenn sie denn konkret genutzt wird.

Ebba Woywode hatte vier Schülerinnen mit ihren Klein- und Gangferden mitgebracht. Im ersten Teil zeigten sie die Arbeit an der Hand und die ersten Schritte zur Arbeit am Langen Zügel, die insbesondere von Inkens Norweger sehr schön vorgestellt wurde. Hier wurde deutlich, wie groß das Mitspracherecht dieser Pferde insbesondere bei der Wahl des Gebisses ist. Die Pferde erfahren eine sehr ruhige, individuelle und liebevolle Förderung.
In der zweiten Vorstellung war die Arbeit mit Gangpferden unter dem Sattel zu sehen. Insbesondere die beiden Islandstuten Ostra und Sara vom Thorhof („Emma“) bestachen durch ausgezeichnete Trab-Bewegungen, Emma demonstrierte auch den gewünschten Wechsel zwischen Trab und Tölt. Spannend die Arbeit mit der Paso Fino Stute Quinta, die das reelle Traben erst lernen muß. Der bei den Paso Finos gewünschte Tölt wurde hier noch gebisslos gezeigt – sehr gewöhnungsbedürftig im Anblick, aber ausgesprochen sitzbequem für den Reiter.
Die gerittenen Gangpferde setzten so einen wunderbaren Schlußpunkt unter die praktischen Vorstellungen mit den Pferden.

Den Abschluß machte Sabine Geier mit der manuellen Therapie des Reiters. Auch dies wieder so spannend und fesselnd gestaltet, dass der Tag zwar rein zeitlich so wie geplant gegen 19.00 Uhr endete, wenn man jedoch bedenkt, dass die drei geplanten Vorträge von Martina Stöhr ausgefallen sind, wird deutlich, dass im nächsten Jahr für die Vorträge und Vorführungen deutlich mehr Zeit eingeplant werden kann. Das Angebot, Fragen zu stellen, wurde über den ganzen Tag von den Zuschauern genutzt.

Der Wunsch nach Toleranz untereinander wurde insbesondere bei den Vorträgen von Petra Köpcke und Corinna Scholz deutlich. Die beiden Ausbilderinnen schätzen sich gegenseitig sehr – gehen sie in der Ausbildung auch verschiedene Wege, ist das Ziel doch dasselbe. Ebba Woywode gab Corinna Scholz spontan eine der Islandstuten an die Hand, um zu zeigen, wie hier am Spanischen Schritt weiter gearbeitet werden kann. Die Referentinnen untereinander demonstrierten hier ein ausgesprochen freundschaftliches Miteinander, wie es in den verschiedenen „Lagern“ und „Szenen“ nur selten zu sehen ist. Warum?? Es wurde so schön deutlich, dass gesunderhaltendes, schönes Reiten kein Schema haben darf, sondern individuell gestaltbar ist und sein soll. Wir hoffen, dass diese Offenheit und dieses gute Miteinander ausstrahlt und seine Kreise zieht. Die Veranstaltungen des Team Légèreté sind hierfür inzwischen in wohltuender Weise bekannt.

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Das Programm:

Sabine Geier
Vortrag: „Pferdeosteopathie & Manuelle Therapie“
Auf der Suche nach der Gelenkblockierung bei Pferd & Reiter – von der Untersuchung zur Behandlung
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Sabine Geier
Praxis: “Ostepathische Behandlung eines Pferdes”
Behandlungsablauf: Anamnese,
Krankheiten, Probleme etc. abklären im Gespräch mit dem Halter,
Bewegungsbeurteilung des Pferdes, Tastuntersuchungen für den ersten Eindruck,
Untersuchung der Gelenke und der Wirbelsäule,
ggf. Sattel- und Zahnkontrolle
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Corinna Scholz
Praxis: “Es steht und fällt mit der Grundspannung”
Wie Takt, Schwung, Hinterhandaktivität, Geraderichtung miteinander im Einklang stehen
und durch die Variationen der Grundspannung verändert werden (können)
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Petra Köpcke
Vortrag: “Anatomie und Hilfengebung der Schule der Légèreté”
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Ebba Woywode und Schülerinnen
Praxis: „Klein- und Gangpferde in der klassischen Arbeit an der Hand“
Wie beginne ich die Arbeit an der Hand und am Langen Zügel?
Unsere Pferde zeigen die ersten Schritte

Inken und ihr Norweger Pelle am Langen Zügel

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Corinna Scholz
Praxis: “Doma Vaquera – die Reitweise der spanischen Rinderhirten”
Einige Details zur Reitweise der spanischen Rinderhirten, das Heranführen des Pferdes
an die Arbeit mit der Garrocha und die Lektionen der Doma Vaquera
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Petra Köpcke und Schülerin
Praxis: “Die Hilfengebung der Schule der Légèreté in der Praxis“
Bewegungsqualität durch Dehnung, Biegung und Seitengänge

Petra mit Schülerin Maike & Baylies

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Corinna Scholz und Schülerin
Praxis: “Unterrichtserteilung – das innere Bild“

Ines und Lusitanostute Sureña

 

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Ebba Woywode
Diskussionsrunde: “Pony-/pferdeverrückt auch noch mit ü 40 – geht das? Wir sagen ja!”
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Sabine Geier
Praxis: “Manualtherapie beim Reiter”
Behandlungsablauf: Anamnese,
Krankheiten, orthopädische Probleme abklären im persönl. Gespräch,
Bewegungsanalyse,
Untersuchung von Wirbelsäule und Gelenken in versch. Ausgangsstellungen,
Behandlungsvorschlag (Interpretation der gefundenen Ergebnisse)
Das Bild von der manual zu therapierenden Reiterin lassen wir jetzt mal weg, denn die hatte nicht mehr viel an  🙂

Sabine demonstriert einen Bandscheibenvorfall

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Ebba Woywode und Schülerinnen
Praxis: „Die Arbeit klassisch gerittener Gangpferde unter dem Sattel“

Tina mit der Paso Fino Stute Quinta

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Weitere Impressionen des Tages:

diverse Knochen und Gelenke eines Pferdes zum Anfassen

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und so bewegen sich die Gelenke des Vorderbeines

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die Wirbelsäule am lebenden Objekt

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Arbeit an der Hand gebisslos: Inken und ihr Pelle

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Islandstute Gylling auf dem Weg zum Spanischen Schritt

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Zeit zum Klönschnack

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Joya zufrieden nach sehr schönen Momenten mit der Garrocha

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Ulrike mit ihrer Islandstute „Emma“ (Sara vom Thorhof)

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das war ein SUPER Tag – Prost!

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Ein Bericht von Ebba Woywode zu diesem Tag:
„Ich glaube, dieser Tag hat ganz klar gezeigt, dass auch Ausbilder mit verschiedenen Ideen und Wegen ein harmonisches Miteinander finden können. So ein Tag kann ja nur Ausschnitte aus der alltäglichen Arbeit zeigen, und es ist ja auch nicht möglich, wirklich zu  zeigen, wie gingen die Pferde noch vor einem halben Jahr, einem Jahr oder auch 3 Jahren  Viele kleine Veränderungen, die für das Pferd grosse Schritte bedeutet haben, sind im Nachhinein nicht mehr als solche zu erkennen, weil es inzwischen der normale Zustand ist.
Gerade bei Joya fällt das immer wieder auf. Wer dieses Pferd ganz am Anfang gesehen hat, weiß, welch‘ weiten Weg dieses Pferd-Reiter-Paar schon zurückgelegt hat  Wer diese Info nicht hat, sieht sicher sehr viel deutlicher das, was noch nicht geht. Durch den deutlich nicht taktmässigen Schritt, der einfach ins Auge fällt, ist das sicher ein Pferd, zu dem viele Ausbilder ganz unterschiedliche Ideen für einen guten Weg hätten. Wichtig ist doch, dass der Weg zu Pferd und Mensch passt und dass beide mit Freude und Eifer dabei sind und ich finde, das ist hier völlig gegeben.
Petra und ihre Schülerin waren dagegen sehr klar in ihren Ausführungen. Schön anzusehen und bis ins Detail hervorragend erklärt.
Inken mit Pelle,  Susi mit Ostra und Tina mit Quinta zeigten die unterschiedlichen Stadien der gymnastizierenden Handarbeit. Sie kann viele Seiten haben und jedes Pferd und jeder Mensch darf ein Stück weit mitbestimmen, mit welcher Zäumung und mit welcher Hilfengebung er sich am wohlsten fühlt. Erstes Ziel sind entspannte Pferde mit lockerem Genick, erst danach erfolgt Aufrichtung und mehr Dynamik. Pelle und Inken zeigten sehr schön, dass selbst für Langzügelarbeit manchmal ein ganz weiches Nasenband ausreichend ist. Da war Gylling schon anders drauf. Das kleine Powerpaket will oft viel zu vlel. Corinna gelang es sehr schön, diese Energie in geregelte Bahnen umzuleiten und so die ersten Schritte zum Spanischen Schritt zu zeigen.
Unterschiedlicher Meinung kann man  sicher auch zu der Pasofino-Stute sein, die von Tina sehr schön vorgestellt wurde. Einen Paso-Fan hätte der Tölt am Ende, auf Bosal geritten, sicher fasziniert. Dieses Tempo und die eher kurzen schnellen Tritte mit viel Aufrichtung ohne Untertreten der Hinterhand entspricht dem Rassestandard. Die Fragen, die dazu kamen, waren eher, ob das nicht ungesund für das Pferd wäre. Aus den verschiedenen Lagern gab es wieder völlig unterschiedliche Meinungen. Für mich ist auch ein Paso erstmal ein Pferd, also möchte ich, dass es mit vorschwingender Hinterhand über den Rücken läuft. Und dazu brauche ich ein Pferd, das im Trab an die Reiterhand vertrauensvoll herantritt und so Schwung und Takt entwickelt. Gleichzeitig muss ich dem angeborenem Naturell gerecht werden und durch positives Verstärken gewünschte Bewegungsabläufe fördern. In 2 Jahren ist dann vielleicht auch der Tölt runder und ausdrucksstärker.
Begeistert war ich von Ostra und Susi. Susi konnte Ostra die ersten Tölttritte in einer schönen runden Form und ohne Hektik entlocken. Das ist ganz neu, vorher zeigte Ostra nur Trab. Da zeigt es sich, dass mit zunehmender Versammlungsbereitschaft der Tölt ohne extremes Eintölten und die Nase hochnehmen sanft entstehen kann. Dieses war sicher eher unspektakulär anzuschauen.
Emma und Ulrike, gewohnt souverän in ihren Trabphasen und Seitengängen, sollten diesmal den Tölt mit dazu nehmen. Emma kann sich in guten Phasen  im Tölt sehr schön runden und über den Rücken gehen, hat aber auch mit zunehmender Spannung noch  Phasen, in denen sie einfach zu hoch kommt. Ziel ist es, sie auch im Tölt mehr über den Rücken zu reiten und zu runden, ohne sie in eine Form zu zwingen, daher das Spiel mit den Übergängen zwischen Trab und Tölt, das ihr mehr Lockerheit und mehr Loslassen auch bei ihren inneren Bildern bringen soll .
Wieder ganz eindeutig – Corinna, Ines und Sureña im Reitunterricht mit inneren Bildern, die auch mal ausgesprochen werden. Galopp verbessern, indem wir uns vorstellen, wir  galoppieren eine Treppe hoch, für mich und meine Gruppe ein vertrautes Bild, für andere sicher gewöhnungsbedürftig. Worte aussprechen, um klare Bilder an das Pferd zu senden und selber auch genau dabei zu bleiben, macht viele Zügel – und Schenkelhilfen überflüssig. Ausgesprochenes Lob kombiniert mit Wörtern wie „größer!“ bringen Pferde zum Strahlen.
Sabine als Physiotherapeutin für Mensch und Osteopathin für Pferde war sehr gut ausgerüstet mit Anschauungsmaterial, was das Verstehen einzelner Zusammenhänge doch sehr erleichterte. Wie war das noch mit den Knochen und Gelenken? Wie verläuft die Wirbelsäule und wie ist sie aufgebaut? Viele Fragezeichen verschwanden durch das Anschauen und Anfassen der Modelle. Daß alleine schon das Erfragen der Vorgeschichte und das sich langsame Rantasten an den Jetztbefund zeitintensiv, aber ungemein wichtig ist, sollte danach jedem klar sein und daß nicht der der bessere Therapeut sein kann, der eben mal mit Hauruck was einrenkt (0der ausrenkt??) .
Unsere Theorierunde verlief anders als geplant, aber sicher nicht schlechter. Auch hier ging es nochmal um die verschiedenen Ausbildungswege und dass es doch eigentlich nur zu begrüßen ist, wenn es genügend pferde- und menschenfreundliche Ausbilder mit ganz verschiedenen Hintergründen gibt und jeder das für ihn passende finden kann.“

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