Ines Diepenbruck (1. Vorsitzende)

Das erste Mal auf einem Pferd saß ich mit etwa fünf Jahren. Zu dem Zeitpunkt ritt meine große Schwester, und wie das so ist, man will alles haben und machen, was die große Schwester auch darf. So mussten ein paar Schulponys im Ferienort geduldig für die ersten Reitversuche herhalten. Die kommenden Jahre verliefen nach dem Motto ‚Reiten während des Urlaubs, selten aber zu Hause‘. Mit etwa zehn Jahren folgten die ersten regelmäßigen Versuche auf einem naheliegenden Ponyhof und – nachdem dieser geschlossen wurde – die erste Reitbeteiligungen. Über einige Umwege und Zufälle kam ich schließlich zu einer ehemaligen Reitlehrerin zurück. Daraus wurde eine fast acht Jahre dauernde Reitbeteiligung auf ihrem Deutschen Reitpony inklusive einiger (auch gegen Großpferde erfolgreich bestrittenen) Turniere. Ich fand in Oberon einen tollen Lehrmeister und bis heute weiß ich, dass ich einen großen Teil meines Könnens, meines Umgangs mit Pferden und der Fähigkeit zu Hinterfragen was ich beobachte meiner damaligen Reitlehrerin verdanke. Für diese Lehrjahre bin ich Regina bis heute dankbar, auch wenn sich unsere Wege leider nicht im Guten getrennt haben.

Nach dem Bruch folgte ein halbes Jahr, in dem ich pferdelos war. Es war erst einmal kein Platz für Neues, war das ‚Alte‘ doch noch zu nahe. Schlussendlich hat der Pferdevirus doch gesiegt. Nach sechs Monaten suchte und fand ich ‚Power Game‘, auch Power oder Pauli genannt. Ein damals 15-jähriger Hannoveraner-Wallach. Der totale Umschwung vom 1,43 m großen Deutschen Reitpony (Schimmel) zum 1,79 m großen Hanno-Wallach (in Schwarzbraun). Das Probereiten war furchtbar, die Besitzerin jedoch überzeugt, dass wir zusammen passen würden. Ich hielt sie zu dem Zeitpunkt für ein wenig verrückt deswegen, beschloss aber, es auszuprobieren… gut, die verschmitzt-lächelnden Augen, der spitzbübische Gesichtsausdruck und das offensichtliche permanente Grinsen im Gesicht dieses Pferdes könnten auch damit zu tun gehabt haben
🙂

Auch diese Reitbeteiligung sollte einige Jahre halten. In der Zeit wurde der Traum nach dem eigenen Pferde allerdings immer größer und mit dem Ende meines Studiums rückte der Wunsch langsam in greifbare Nähe. Meine Eltern haben mir immer ermöglicht zu reiten und auch Reitbeteiligungen anzunehmen, aber einem eigenen Pferd hatten sie nie zugestimmt. Ich war oft frustriert deswegen, aber heute bin ich froh, so lange ‚ohne Eigenes‘ gewesen zu sein. Es hat mich geformt und ich glaube, ich bin nur dadurch auch an die Trainer geraten, die ich über die Jahre genießen durfte.

Die ständige Suche nach dem Reiten mit Leichtigkeit führte mich schlussendlich zu Corinna Scholz und damit auch ins Team Légèreté. Das erste Mal sah ich Corinna in einer Tagesvorführung der Messe Hansepferd in Hamburg; Negócio war vom Knacken des Head-Sets, was sie zum Kommentieren des eigenen Auftritts benutzte, irritiert. Ich fand es beeindruckend, wie Corinna darauf einging und kurzerhand ihr geplantes Programmziel umschmiss. Es ging um’s Pferd, nicht um die Show. Obwohl ich sie nach dem Ritt ansprach, hat sie bis heute keine Erinnerung an unsere Begegnung (nach meiner eigenen Erfahrung auf der Nordpferd 2011 kann ich dies gut verstehen); meine Erinnerung an den Auftritt sollte aber lange halten. Trotzdem dauerte es fast 2 Jahre, bis wir uns als Trainer/Schüler wiedersahen. Einen Versuch, Unterricht bei ihr zu nehmen, startete ich etwa eineinhalb Jahre nach der Hansepferd. Da ich aber auf der Suche nach dem „ersten Eigenen“ einen Reitunfall hatte und mir zwei Rippen anbrach, mussten wir diesen Versuch verschieben. Der nächste Versuch erfolgte dann ein halbes Jahr später. Zu diesem Zeitpunkt saß ich wieder im Sattel von Power und diversen Verkaufspferden.

Ich suchte nach einem deutschen Warmblut, 4-6-jährig, 165 bis 175 cm Stockmaß, ein Wallach und gerne ein Rappe. Nach vielen demotivierenden Proberitten suchte ich nach etwas Besonderem, um den Frust zu vertreiben, da Power zu dieser Zeit auch gesundheitlich angeschlagen war. Ich durchstöberte meine Favoriten-Liste und blieb bei Corinnas Adresse hängen. Ich beschloss, dies als Wink mit dem Zaunpfahl zu nehmen und einen neuen Termin auszumachen. Diesmal klappte es und ich war begeistert von der Art des Unterrichts und fasziniert von Corinna’s Art, mit Pferden umzugehen. Schlussendlich kam Corinna zu einigen Verkaufspferden mit und vermittelte auch ein paar Adressen, der Markt war jedoch eher ernüchternd. Und dann kam Corinna mit dem entscheidenden Satz: „Wir gehen uns jetzt einen Iberer anschauen“… Wir was? …

Ich hatte zwar bereits Negócio geritten – und was für ein Erlebnis das war! – aber ich wollte doch eigentlich etwas anderes… ein deutsches Warmblut halt; mit Dressurpotential, um Turnierambitionen meinerseits abzudecken. Schick fand ich sie ja immer, die barocken Typen, aber als eigenes Pferd… Schlussendlich beschloss ich „mal zu schauen, was es da so gibt“. Ich fand im Internet eine 11-jährige Lusitano-Stute und schickte die Anzeige vorsichtig an Corinna. Sie war sofort Feuer und Flamme und postwendend hatten wir einen Termin zum Probereiten.

Ich traf also im Oktober 2010 „Sintra“: Lusitano, 11 Jahre, 159 cm Stockmaß, Schimmel. Hmmm. Weit ab von meiner Originalvorstellung. Das Probereiten war mäßig, aber Corinna überzeugt, dass sich daraus viel machen ließ (scheint ein Trend zu sein, wenn ich mich so an den Proberitt bei Power erinnere). Die Stute konnte noch nicht viel, war aber willig und bemüht. Ich war trotzdem noch nicht überzeugt und quälte mich einige Tage mit diversen Gedanken herum, ob ich der Stute gerecht werden konnte… auch ob sie meinen Idealen gerecht werden konnte… und ob diese Ideale überhaupt so wichtig und relevant waren. Vielleicht war es an der Zeit, sich von einigen Ideen zu lösen.
Ein zweiter Besuch bei Sintra überzeugte mich und dann ging alles ganz schnell. Eine Woche später gehörte die Lusitano-Stute mir. Nach dem Kauf bekam sie noch einen neuen Namen, da ich mich mit ‚Sintra‘ nicht anfreunden konnte. Nun heißt sie Sureña, was soviel heiß wie „Frau aus dem Süden“. Sie wird ihrem Namen gerecht (Nomen est Omen!), zeigt das Temperament und den Stolz eines echten Südländers. Ich habe die Entscheidung, sie zu kaufen, nicht eine Sekunde bereut. Sie ist das, was ich wollte (oder eben nicht) und noch viel mehr. Sie ist jeden Tag mit Feuereifer dabei und lässt sich auf alles ein. Egal ob Arbeit an der Hand, Langer Zügel, mit Halsring, Ausritte mit oder ohne Sattel, oder klassische Dressur, sie macht alles mit. Auch bei unserem ersten öffentlichen Auftritt auf der Messe Nordpferd 2011 beeindruckte sie mich das gesamte Wochenende mit ihrer Einstellung und Souveränität.

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Im Team Légèreté habe ich den Platz gefunden, nach dem ich lange Jahre gesucht habe: das Pferd ist Partner und Freund, kein Sportgerät. Es geht um die Leichtigkeit, die Vielseitigkeit, die Freude an und mit diesen wunderschönen Tieren zu (er)leben und darum, diese Freude jederzeit zu erhalten – nicht nur in uns selbst, sondern auch im Partner Pferd.

Aus der Mitgliedschaft wurde zuerst das Amt der Breitensportbeauftragten, und im Februar 2016 wurde ich zur 1. Vorsitzenden des Teams gewählt.

Ich freue mich, wenn wir uns auf der einen oder anderen Veranstaltung sehen und kennenlernen können!

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