27./28.5.: Mitglieder-Ausflug

Auch in diesem Jahr gab es wieder einen lehrreichen und unterhaltsamen Ausflug mit Übernachtung für unsere Team-Mitglieder.
Am 27. Mai fuhren wir Richtung Münster (Westfalen), und da wir gut durchkamen, überlegten wir spontan, das hiesige Pferdemuseum zu besuchen. Im Hotel hatten wir bereits eingecheckt, für das Museum blieb uns eine gute Stunde Zeit. Da dies jedoch in den Zoo integriert ist und der Zoo-Eintritt für nur eine Stunde dann doch recht hoch war, fuhren wir kurzerhand zum Aasee und genossen noch ein Stündchen das herrliche Wetter und Inhalte unseren Fresskorbes.

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Wir parkten im „Hoppendamm“, was natürlich für Lacher sorgte, da Wiebke Hoppe zu den Mitreisenden gehörte.
Nach diesem entspannten Picknick fuhren wir nach Lüdinghausen zum Seminar

ANATOMY  IN  MOTION

Dieses Seminar fand statt im Reitzentrum Gestüt Moorhof bei und mit Marius Schneider und vermittelte in der Theorie die Grundlagen der Biomechanik des Reitpferdes aus veterinärmedizinischer Sicht (Vortrag von Dr. Robert Stodulka) sowie aus der Sicht des  Ausbilders (Vortrag von Bent Branderup).
Im Anschluss wurde diese Theorie lebendig – Skelett, Bandapparat und Muskeln werden sichtbar gemacht durch mehrere bemalte Pferde, um die biomechanischen Zusammenhänge in  der Ausbildung  zu veranschaulichen.

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Die Referenten / Künstler:
Bent Branderup (Dänemark):

Der Begründer der Akademischen Reitkunst und internationale Ausbilder sowie mehrfacher Buchautor verkörpert, bewahrt und publiziert die Lehren der alten Reitmeister. Er zitierte die Alten Reitmeister und machte anschaulich, was an Wissen rund um’s Pferd bereits vor mehr als 2000 Jahren vorhanden war und worauf in einzelnen Epochen Wert gelegt wurde.
Dr. med. vet. Robert Stodulka (Österreich):

Tierarzt für allgemeine und komplementäre Veterinärmedizin, Fachtierarzt für Physiotherapie und Rehabilitationsmedizin sowie allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständige für Veterinärmedizin. Der ebenfalls mehrfache Buchautor ist Kenner der Baucheristischen Methodik.
Lobelia Barker (Schweden):
Aktive Reiterin nach den Prinzipien der klassisch-akademischen Reitkunst und eine außergewöhnliche Künstlerin mit vielen Facetten. Sie bemalte nicht nur die vorgestellten Pferde, von ihr wurde auch Bent Branderups Vortrag mit phantasiereichen Gemälden der Alten Meister im wahrsten Sinne „untermalt“.

Marius Schneider begrüßte herzlich die ca. 250 Anwesenden in der noch in der Entstehung befindlichen Halle. Der hintere Teil war schlichtweg Baustelle. „Schauen Sie dorthin, so wird es hier einmal aussehen. Und wenn Sie dahin schauen, sehen Sie, wie es vorher aussah. Richten Sie Ihren Blick also lieber wieder dorthin“.
Die Pferde, die den Praxisvortrag begleiten würden, wurden vorgestellt, von Lobelia Barker kunstvoll mit Knochen und Muskeln bemalt. Beeindruckend hier insbesondere die Hinterhandmuskulatur des Hannoveraners Warengo von Marius Schneider. Aber auch die einzelnen Knochen waren wunderbar und kunstvoll auf die Pferde gebracht.
Die Lautsprecher-Einstellung wurde vorgenommen und die Zuschauer – insbesondere die in den hinteren Reihen – zogen ein Gesicht, da von hier aus die Pferdebeine nicht zu sehen sein würden. Plötzlich aber erschienen alle Pferde auf der großen Leinwand, von der man bis dahin annahm, sie sei für die Bilder in den Vorträgen. Nein, hier wurde live das Geschehen aus der Halle direkt übertragen und war so von allen Plätzen aus gut zu verfolgen. Ein erfreutes Raunen ging durch die Menge.

Dr. Robert Stodulka startete für seinen Vortrag erst einmal Windows und sagte nach gefühlt einigen Minuten: „Wie in der Reitkunst,alles braucht seine Zeit…“ Schließlich sah man etliche Dokumente und Ordner, woraufhin er sagte „Sie können sich aussuchen, was Sie hören wollen!“
Es ging jedoch, wie geplant, um das Geraderichten, und hier eingangs um Künstliche und Natürliche Schiefe – bei letzterer ist noch immer ist nicht einwandfrei geklärt, ob diese durch die Torpedoform des Pferdes, durch die Lage des Embryos im Mutterleib oder durch die Dralltheorie (nach Stadler) hervorgerufen wird, während künstliche Schiefe durch den Reiter erzeugt bzw. (negativ) beeinflusst werden kann. Während dieser Ausführungen fiel draußen krachend eine Leiter um – „da kommt einer mit der Tür ins Haus gefallen“. Diese und ähnlich Situationskomik begleitete und bereicherte die nächsten spannenden Stunden.
Es wurde intensiv. Sehr intensiv. Vorhand auf die Hinterhand einstellen oder Hinterhand auf die Vorhand? Ersteres bei diagonaler Hilfengebung, letzteres bei direkter. Wie so oft in der Reiterei – alles zu seiner Zeit und nach Bedarf. Individualität wurde also hier schon erfreulich groß geschrieben. So wird z. B. im Schulterherein die Vorhand auf die Hinterhand eingestellt, während es in der Vorhandwendung oder im Schenkelweichen anders herum ist.
Hier und da hätte man sich etwas langsameres Sprechen und weniger lateinische Ausdrücke gewünscht, zumal beides durch den Hall des Headsets noch schwerer verständlich wurde. Jedoch durchzogen sinnvolle und verständliche Zitate diesen professionellen Vortrag, die hier jetzt sicherlich, aus dem Zusammenhang gerissen, nicht das wiedergeben, was aus ihnen herauszuhören war, wenn man den ganzen Vortrag hörte, trotzdem sollen hier einige wiedergegeben werden:
„Ein Anheben des Widerristes kann nur erfolgen, wenn das Pferdemaul nicht tiefer eingestellt ist als auf Höhe des Buggelenkes.
Angehoben wird nur bis zum 13./14. Brustwirbel, dahinter nur durch Hinterhand-Aktivität.“
„Der gute Reiter verlängert den Hals und verkürzt die Hanken.“
„Die optische Wirkung der guten Piaffe: das Pferd kommt vorne höher, und nimmt hinten mehr Last auf. Tatsächlich werden nicht mehr als ca. 25 kg verschoben! Die Beugung der Hinterhand beträgt hier nicht mehr als ca. 4-5 Grad! Und dafür so ein Aufwand!
„Über das horizontale Gleichgewicht stellt der Reiter das vertikale her.
Dadurch wird das Gleichgewicht insgesamt (beim weiter ausgebildeten Pferd) störanfälliger“
„Sinn und Zweck aller guten Reiterei: Geraderichten – Balance – Leichtigkeit“
„Grundlage für jegliche Pferdeausbildung: Flexibilität – Mobilität (in Maul, Genick, Rücken, Hinterhand).
Becken abkippen und Hankentätigkeit erzeugen Flexibilität vorne.“
„Muskeln entwickeln sich nur durch Benutzung.
Muskeln im Training vollkommen anspannen – und vollkommen abspannen!“
(Hierzu ein Zitat von Nuno Oliveira: „Die Kunst ist das rechtzeitige Aufhören…“)
„Der lange Rückenmuskel ist ein Bewegungsmuskel, die Muskeln der Kruppe sind Haltemuskeln“
„Verkrampfte Bauchmuskeln erhöhen die Atmung“
„Am Trapezmuskel sitzen Akupunkturpunkte. Diese können durch einen zu engen Sattel, das Bügelschloss, ungeeignete Sattelunterlage etc. negativ beeinflusst werden. Auch ein zu langer Sattel verhindert Rückentätigkeit“
„Reitkunst ist angewandte Physiotherapie“
„Jede Reitlehre funktioniert nur mit ostephatisch einwandfreien Pferden“
„Jedes Gelenk muss beweglich sein. Ein einzelnes Gelenk, welches nicht frei beweglich ist, beeinflusst den gesamten Bewegungsablauf“
„Hüft- und Kniegelenk öffnen sich zum Untertreten und schließen sich zum Tragen“
„gebogenen Linien trainieren die Hanken wechelseitig – eine trägt, eine schiebt“ (Seitengang, Zirkel)
„Längsbiegung: Verkürzen der Oberlinie (z. B. in der Piaffe, also auch auf nicht gebogener Linie!)
Seitenbiegung: seitl. Biegung in der Wendung.
In der regulären Reitlehre ist beides das gleiche, bzw. wird Seitenbiegung gar nicht erwähnt“
„Das Fluchttier Pferd ist auf gerade Linien ausgelegt“
„Fesselträgerschäden entstehen, wenn die Fessel beweglich ist, aber nicht die Hanke“
(wenn z. B. in der Trabverstärkung die Hanke das ganze Gewicht auf die Vorhand schiebt und die Verstärkung nicht aus der tragfähigen Hanke entwickelt wird)
Das heutzutage auf Turnierplätzen meist vorgeführte Schulterherein nannte er eine „Verballhornung des Schulterhereins“
Insgesamt ein wirklich großartiger, eindringlicher Vortrag.

Bent Branderup nahm uns mit auf eine unerwartete Reise – so zitierte er, bei Xenophon beginnend, alte Reitmeister und deren Gedanken über das Pferd und dessen Beschaffenheit, über das Reiten und die Ausführung von Lektionen. In dieser komprimierten Form wohl kaum sonst zu hören. Auch dieser Vortrag begleitet von etlichen humorvollen Einlagen, die das Zuhören unterhaltsam und spannend machten. So beschrieb Xenophon im Prinzip das iberische Pferd, wenn man die von ihm gewünschten Vorzüge in einen Zusammenhang bringt. Bent Branderup spannte den Bogen über de Pluvinel, de la Guérinière, von Weyrother, von Oeynhausen, Seeger, Steinbrecht und anderen und stellte zwischen den einzelnen spannende Zusammenhänge her.
Auch von ihm hier ein paar Zitate:
„Natürlich gibt es ein paar Punkte, wo ich mit Herrn Stodulka nicht einig bin, sonst wär’s ja gar nicht witzig“
(als dem Headset der Saft ausging): „Batteriewechsel – Pit Stop. Herr Stodulka hat die Batterien zu stark belastet“
Xenophon hat Huf, Gelenke und Exterieur schon so beschrieben, wie es heute noch Gültigkeit hat.
„Flache Bewegungen sind ausdauernder.“
„Das Pferd muss in der richtigen Kopfposition den Boden sehen können (Beizäumung), dann wird es nicht gewaltsam“
„Das Pferd soll stark nach vorne gedrehte Augen haben, dann sieht es besser, was vor ihm ist und scheut weniger“
„Ist der nach vorne schwingende Hinterfuß dominant, schwingen die Rückenwirbel nach vorne. Dominiert das schiebende Hinterbein, ziehen die Wirbel nach hinten“
„Der Ausbilder kann beibringen, aber nicht für den Schüler verstehen. Lesen können heißt nicht, (gleich) zu verstehen“
„Vor 2500 Jahren wurde die ganze Reitkunst in zwei Sätze geformt – wenn das Pferd in Knie und Sprunggelenk nachgibt, muss der Zügel nachgeben, um diese Bewegung leicht werden zu lassen“
„Ich führe die Arbeit mehr mit dem Geist aus als mit dem Körper“ (Pluvinel, ein schöngeistiger Mann)
„Das Alphabet lernt man ja auch nicht durch Prügel. Erst das Alphabet, dann lesen und schreiben, dann studieren“ (Carvendish)
„Wer etwas geschrieben hat, muss nicht der Erfinder gewesen sein“ – Gueriniere beschrieb das Schulterherein auf gerader Linie, Newcastle auf gebogener. Das heißt nicht, dass sie es nicht auch anders geritten haben!
„Die akademische Reitkunst ist der ideale Vergleich zwischen Kavallerie-Reiterei und Hoher Schule“
„Onkel Bent liest und erzählt Gute-Nacht-Geschichten“
„Es ist das Ergebnis echter Reitkunst, wenn die Zügelhand auf kein Hindernis stößt“
„Steinbrecht schrieb 200 Seiten über verschiedene Arten der Biegung“
„Der  Bearbeitung der Hinterbeine hat der Bereiter die höchste Aufmerksamkeit zu widmen“
„Rennreiter nutzen nur Hinterhand und Schubkraft, Gebrauchsreiter Tragkraft, Schulreiter Schub- und Tragkraft“
Zu dem weithin bekannten „Reite Dein Pferd vorwärts und richte es gerade“ sagte er: „Vorwärts heißt nicht schnell, sondern Hinterhandaktivität erhalten, auch im Rückwärtsrichten. Gerade heißt nicht ungebogen, sondern dass die Hinterhand nach vorne der Vorhand folgen kann, in allen Gängen und Touren, auch bei stärkster Biegung. Die Kraft der Hinterbeine soll direkt unter die Masse treten, nicht seitlich vorbei“
„Kein Tier läuft in der Natur an einer Wand entlang (Hüfte ist breiter als Kopf)“
„Kann der Reiter die Hinterhand bestimmen und deren Lastaufnahme, ist das ganze Pferd gewonnen“
„Schulterfreiheit steht im direkten Verhältnis zur richtigen Aufrichtung. Ist die Halsform gut geformt (worden), kann die Hinterhand ungehindert auf die Schulterfreiheit Einfluss nehmen“
„Rippenbiegung = Seele der Reitkunst“ (gemeint ist: sicherer, bequemer Sitz mit leichtem, natürlichem Hang nach innen, den das Pferd ihm durch Nachgiebigkeit der inneren Seite gibt. Hang nach innen (des Reiters): innerer Bügel scheint länger als äußerer, innere Hüfte runter, Reiter wird nach innen/unten gezogen, nicht nach außen (Leckerlie-Test von oben).
„Nicht schlechter sitzen als der eigene Koffer!“ (bezogen auf Gepäck-Handpferde, der Koffer sitzt nicht gegen die Bewegung)
„Hintern an Großhirn: das Hinterbein schwingt nicht nach vorne. Großhirn an Hintern: was tun? Hintern an Großhirn: die Hand muß nachgeben. Großhirn an Hand: nachgeben! Hand an Großhirn: ok. Großhirn an Hintern: besser? Hintern an Großhirn: nö.“
„Es gibt keine natürliche Sprache zwischen Pferden und Menschen, alles ist künstlich antrainiert. Der Mensch muß dem Pferd geistig nahe kommen. Wenn das Pferd gelernt hat, stehen zu bleiben, weil ich davor springe und „Ho!“ rufe, so ist das im Gelände, wenn ich draufsitze, unwirksam. So schnell kann ich gar nicht runterspringen und vor das Pferd laufen“
„Physischer Sitz – durchschwingend. Wenn das Pferd meine Körperhaltung annimmt, brauche ich keine künstliche Hilfe mehr“
(Vergleich zum Tanzen – live vorgemacht! Herrlich!) – „Es ist gar nicht so leicht, einen Besenschrank über’s Parkett zu schieben“
„Zwei Geister müssen wollen, was zwei Körper können“
„Nicht dominieren – führen lassen“
„Schwingungen auf’s Pferd übertragen – dann hat der Sitz Klasse erreicht“
„Hilfen, die nicht aufhören können, sind primär (Sitz)“
„Kunst ist, ein Gefühl sichtbar zu machen. Ein Gefühl, das nicht da ist, kann ich nicht sichtbar machen“
„geistiges und körperliches Zusammenschmelzen“
„Ein Balletttänzer kann wohl einen Marathon laufen, wenn auch vielleicht nicht als Schnellster. Ein Marathon-Läufer kann aber kein Ballett tanzen“
„Geschmeidigkeit braucht weniger Kraftaufwand“
„Wenn der starke Trab nicht aus gebogener Hanke kommt sondern nur geschoben wird, entstehen Fesselträgerschäden“
„Beschleunigen alleine bringt das Hinterbein nicht nach vorne, die Vorderbeine ziehen nur weiter nach hinten. Versammeln = Vorderbeine heben sich, hinten winkelt“ (wunderbar zu sehen an dem gerittenen Norweger)
„Es gibt nur ein Pferd, das sich wie im Buch verhält – das im Buch“
„Ess-Kandare“

Großartiger Vortrag!!! Danach schlenderten wir in der Pause ein wenig über die Anlage, Corinna zog es natürlich zu den Greifvögeln. Einer der beiden herrlichen Harri’s Hawks von Marius Schneider:

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Im praktischen Teil mit den bemalten Pferden ließ insbesondere ein Norweger ausgezeichnet erkennen, wie korrekte Grundspannung ein Pferd im Gang verändern kann. Dieser schöne Wallach wechselte innerhalb von Sekunden vom auf der Vorhand latschenden Geländepony zum in Seitengängen versammelt und kadenziert schwingenden Pferd mit barocker Ausstrahlung. Großartig!
Marius Schneider demonstrierte eine wunderbare Schulparade, von der viele noch nie etwas gehört – geschweige denn gesehen – hatten. Diese wurde auch sehr schön von einem herrlichen Welsh-Cob-Rappen gezeigt.
Stodulka und Branderup verfielen in eine unterhaltsame Diskussion darüber, ob der äußere Ast des Atlas nach oben oder nach unten kippt in der Innenstellung – nachdem das (nach oben!) Kippen des äußeren Atlas-Astes in der Stellung auf der Leinwand auch für die Zuschauer gut zu verfolgen war und Bent Branderup, zu Stodulka gewandt, meinte „habe ich doch gesagt“, kommentierte Stodulka dies mit „das spricht gegen jede ostephatische Theorie“. So lange das Pferd gegenhielt, kam der innere Ast hoch, ließ das Pferd die Stellung durch, kippte der innere Ast nach unten.

Bent Branderup und Dr. Stodulka waren nicht immer einer Meinung, und insbesondere Branderup stellte am Anfang seines Vortrages heraus, dass dies auch nicht so sein muss. Er lerne immer weiter und Meinungen können sich verändern, und nur weil er etwas derzeit für richtig hält, erhebt er keinen Anspruch darauf, dass diese Meinung die allein Seligmachende und einzig korrekte sei. Er wünsche sich, ein Leben lang weiterlernen zu dürfen. Diese und viele anderen Einstellungen machten ihn deutlich zum Symphatieträger und ließen nachdenklich und bescheiden werden.

Es wurde spät. Wir verabschiedeten uns von den Referenten und fuhren zum Hotel. Etwas zu essen wäre ja noch schön… Der Grieche, der bis 22.30 Uhr geöffnet haben sollte, verschmähte den Inhalt unserer Geldbeutel, der Italiener, der uns wie eine Notlösung erschien, entpuppte sich als großartig. Wir aßen sehr gut, saßen zusammen, quatschten, ließen den schönen, spannenden Tag Revue passieren und fielen schließlich müde in die Betten.

Am Pfingstmontag fuhren wir nach einem gemütlichen Frühstück gemeinsam zur Hofreitschule Bückeburg.
Hier stand neben dem Besuch des Marstallmuseums und einer Stallführung die Vorführung „Höfische Reitkunst“ auf dem Programm.

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Diana Krischke stellte bei der Marstallführung viele Pferde im Einzelnen vor. So z.B. einen schönen Frederiksborger Fuchshengst, der insofern zur ältesten Pferderasse der Welt gehört, als daß das Stutbuch 1536 begründet wurde und damit das erste Zuchtbuch einer Tierart überhaupt ist.

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Sie ging auf alle Fragen ein und erklärte vor der großen Stallwand mit diversen alten Stichen und Zeichnungen, wie manche in Vergessenheit geratene Lektion über reichliches Lesen und Ausprobieren hier wieder zum Leben erweckt wird.

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Wir schlenderten danach noch eine Weile durch das Museum und hielten das Gesicht Eis essend in die Sonne.
Schließlich saßen wir in der Loge des 1610 erbauten Reithauses und genossen die einstündige Vorstellung.
Bereiterin Rebecca übernahm zum ersten Mal den gesprochenen Part dieser Reitkunstvorführung – und sie machte es großartig!
Zu Beginn zeigten Christin Krischke mit dem 11j. Lusitano Ulysses und Arne Gutz mit dem 5j. P.R.E. Maximilan, diverse Gänge und Touren der Hohen Schule einhändig auf blanker Kandare. Christin Krischke zeigte hier unter dem Sattel ein paar schöne Schulparaden.
Danach stellten Diana Krischke den 12j. Genete Bonmot du Roi und Isabell den 12j. Knabstrupper Boxter aus der Schützenden Hand unter dem Damensattel vor.
Wolfgang Krischke zeigte mit dem 10j. P.R.E. Aramis, dem 11j. Knabstrupper Beryll aus der Schützenden Hand und dem 12j. Lipizzaner Maestoso Amata Levade, Pesade, Kapriole, Courbette-Sprünge vorwärts – und rückwärts! Im Anschluss zeigte er mit dem dem Shetlandpony-Schecken Jack die Entwicklung der Kapriole – Vorderbeine anheben, Hinterbeine anheben (hierauf legte sich Jack erst einmal hin und saß dann), ausschlagen auf Kommando, Pesade – „und nun fügen wir alles zusammen…“ – und da war die Kapriole!
Danach kamen noch einmal drei gerittene Pferde in die Bahn: Wolfgang Krischek mit dem 8j. Knabstrupper Olymp aus der Schützenden Hand, Arne Gutz mit dem 5j. P.R.E. Maximilian und Chrisitin Krischke mit dem 11j. Lusitano Ulysses demonstrierten erst Ringstechen („wer hat den schönsten Anritt?“) und schließlich zeigten die Herren Auszüge aus der angewandten Reitkunst – das Fechten zu Pferde.
Eine wie immer ausgesprochen schöne Vorstellung, hier passt einfach alles zusammen: Der schön vorgetragene und lehrreiche Text, der viele Details beinhaltet zu Geschichte, Pferden, Rassen und Barocker Reiterei; schönes Reiten mit Könnern im und unter dem Sattel, viel Lob und wahre Freude über die Leistung des Pferdes, sichtbar tiefe Zufriedenheit und Harmonie wird hier von allen Beteiligten ausgestrahlt.
Die seit 2004 bestehende Bückeburger Hofreitschule war, wie immer, eine Reise wert!

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Wolfgang Krischke – Olymp, Arne Gutz – Maximilan, Isabell – Boxter, Diana Krischke – Bonmot du Roi, Christin Krischke – Ulysses

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Video zu Marius Schneider und Warengo: http://www.youtube.com/watch?v=QFdcOw4HqIo
Video der Fürstlichen Hofreitschule Bückeburg: http://www.youtube.com/watch?v=QARmVFlxQB0