14.4.: Seminar-Besuch

Am 14. April fuhren vier Team-Mitglieder zu einem spannenden Seminar-Nachmittag nach Winsen/Aller. Hier der offizielle Bericht aus dem PM-Forum von K. Blasig / B. Comtois:

PM-Regionaltagung mit Heike Kemmer und Richard Hinrichs

„Das Pferd zum Strahlen bringen“

Mehr als 350 PM (Persönliche Mitglieder der FN) und weitere Zuschauer konnten auf Heike Kemmers Amselhof in Walle miterleben, wie die zweifache Mannschafts-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin gemeinsam mit Deutschlands renommiertestem Barock-Ausbilder Richard Hinrichs Einblicke in die Ausbildung des Pferdes an der Hand und die Arbeit und dem Reiter in der klassischen Dressur gaben.

Die Zusammenarbeit der beiden ist weder neu noch eigens für dieses Seminar ausgedacht, denn seit 2009 trainieren sie zeitweise „sehr intensiv zusammen“, wie Richard Hinrichs berichtet. Bereits nach der ersten gemeinsamen Trainingseinheit haben sie gemerkt, dass es funktioniert, so dass daraus eine Regelmäßigkeit wurde. „Im Anschluss an eine Schauveranstaltung, bei der wir beide aufgetreten sind, haben wir beschlossen, die Zusammenarbeit zu verstärken. Das sah insbesondere so aus, dass ich Heike Kemmer mit Piaffen und Passagen geholfen habe. Im Gegenzug ist sie zu uns gekommen und hat unsere Reiterei generell verbessert. Das war aus meiner Sicht sehr, sehr erfreulich, denn gerade im Hinblick auf Feinheiten bei der Basisarbeit habe ich bei Heike Kemmer ganz besonders profitiert“ erzählt Richard Hinrichs begeistert.

Und auch Heike Kemmer schwärmt vom gemeinsamen Training: „Für mich war es natürlich interessant, die Handarbeit noch dataillierter zu lernen, weil Richard die Lektionen von der Piaffe aus entwickelt. So fängt er damit an und daraus erwächst die Galopp- oder Trabarbeit. Für mich ist natürlich die Piaffe ein entscheidendes Thema. So haben wir schon etliche junge Pferde an die Piaffe herangeführt. Aber bei den olympischen Spielen mit Bonaparte hat es mir auch geholfen, dass die Übergänge noch detailgenauer sitzen, oder dass die Passage noch schöner im Ausdruck ist.“
Und genau diese, von beiden Ausbildern ausgedrückte gegenseitige Bereicherung war der rote Faden, der die PM-Regionaltagung durchzog.

Trotz aller Unterschiede zwischen dem modernen Dressursport und der klassisch-barocken Reiterei haben beide das gleiche Ziel: ein korrekt ausgebildetes Pferd. Je nach „Verwendungszweck“ konzentrieren sie sich aber auf andere Pferdetypen und setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
„Ich lege sehr viel Wert auf häufige Handwechsel und abwechslungsreiche Arbeit“ erklärte Heike Kemmer zu Beginn der Veranstaltung, bei der sie von ihrer Schülerin Pia Fortmüller und ihrer Bereiterin Mayke Liebregts-Busch unterstützt wurde. Nach versammelnden Übungen wurden die Reiterinnen, die Nachwuchspferde vorstellten, immer wieder aufgefordert, abwechselnd vorwärts zu reiten und die Zügel aus der Hand kauen zu lassen.
Auch bei der Arbeit mit dem 18jährigen Lusitanohengst Noa unter Irene Raab-Hinrichs zeigte Heike Kemmer deutlich, wie Galopp und Geraderichtung verbessert werden können.

Richard Hinrichs ist es zu Beginn der lösenden Übungen wichtig, am Gesichtsausdruck des Pferdes seine gegenwärtige Verfassung abzulesen und sich als Ausbilder darauf einzustellen. Handarbeit dient ihm nicht nur zur Versammlung des Pferdes, sondern um das Pferd auf den Ausbilder zu beziehen und eine positive Arbeitsatmosphäre herzustellen. „Der Freund schaut in’s Gesicht, der Feind auf die Füße“ gilt für ihn auch in der Reiterei. Am Langen Zügel demonstrierte er die Hilfen zum Abfußen als Vorbereitung auf die Piaffe. Gleich darauf sahen die Zuschauer, wie das Pferd – nun unter dem Reiter und unter Anleitung von Heike Kemmer – die reiterlichen Hilfen zum Anpiaffieren vom Sattel aus umsetzt. Besonders in der Piaffe und der Passage kann die Pferdepersönlichkeit zum Strahlen gebracht werden, ist sich Richard Hinrichs sicher.

Ganz wichtig ist für Hinrichs der Einsatz der Stimmhilfe. „Die Stimme ist der Sporn des Geistes“ befand schon Antoine de Pluvinel. Ich gebe meine Hilfe erst mit der Stimme, so hat das Pferd die Möglichkeit, freiwillig mitzuarbeiten. Bekomme ich darauf keine Reaktion, verstärke ich meine Hilfe, indem ich den Schenkel bzw. – bei der gewichtslosen Ausbildung – die Gerte einsetze.“
Jede Arbeitsphase ist bereits im Kopf des Ausbilders voraus gedacht, sagt Richard Hinrichs. Sein Ziel ist, dass das Pferd bereits auf eine gedachte Hilfe hin antritt. Wenn sich das Pferd dem von ihm gedachten Bild annähert, lobt er.

Zum Abschluss zeigte Richard Hinrichs seinen Kladruber Hengst Favory Ravella bei der Arbeit am Langen Zügel. „Pferdeausbildung lässt Kunstwerke für Momente entstehen“ ist sein Credo. Davon konnten sich die Zuschauer an diesem Nachmittag überzeugen.

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Und so sahen zwei unserer Mitglieder diesen Nachmittag:

Suse:
„Es war ein toller Tag, zwei Ausbilder unterschiedlicher Reitweisen, mit ganz unterschiedlichen Charakteren ziehen an einem Strang, spielten sich die Bälle in einer humorvollen Art und Weise zu, ergänzen sich und profitieren voneinander.
Beide arbeiten ganz fein mit den Pferden, achten auf Reiter- und Pferdegesichter, holen die Pferde da ab, wo sie gerade sind. Wir konnten motivierte, locker schwingende Pferde sehen.
Zum Abschluss hatte Richard Hinrichs seinen Kladruber am Langen Zügel. Nicht nur für diese schönen Momente hat sich die lange Anfahrt gelohnt.
Es war so ein schöner Ausflug, wir vier Frauen, tolles Wetter, tolle Veranstaltung, gute Gespräche, zum Abschluss sind wir richtig gut Essen gegangen.“

Corinna:
„Wenn irgendeine Veranstaltung geeignet war, eine Brücke zu bilden zwischen „den Lagern“, dann war es diese! Ganz, ganz großartig!

Ausgezeichnet auch der Unterricht für Irene und Noa, wunderbar Ravella am Langen Zügel, was für viele im Publikum ein vielleicht noch eher ungewohnter Anblick gewesen sein dürfte, herrlich der Witz und die Situationskomik während der schönen Stunden, fantastische Pferde mit schön sitzenden Reitern, bei denen insbesondere die Beweglichkeit der Hälse gefiel, an der es doch sonst so oft mangelt.
Auf Hinterhandaktivität und Schwung lege ich ja ohnehin schon sehr viel Wert, aber ich war so angefüllt mit wieder neuen inneren Bildern zum Thema „Schwung“ und großen Bewegungen, daß ich am Folgetag Tritte aus meinem Joya herausholte, von denen er selbst offenbar überrascht war 🙂
Ich wünsche mir mehr solche verbindenden, überbrückenden Veranstaltungen, denn sie sind so so nötig in der heutigen Zeit.
Ein großer Dank an den herrlichen Fuchs „Rocky“, „Ravella“ und den wunderbar piaffieren Dunkelbraunen, dessen Namen ich nicht weiß – sie sind es, die den Löwenanteil an den neuen inneren Bildern haben.“