21.7.: Breitensportturnier in Eutin-Fissau

Am 21. Juli gingen vier Team-Mitglieder in den Breitensportprüfungen des Reiterhofes Fissau an den Start.
Hier die Ergebnisse unserer Mitglieder:

Pas de deux (leicht):

3. Platz: Birgit Krickhan – Coriander’s Otto
…………….(Partnerin: Anja Engler – Drewes)

17

Birgit Krickhan mit Holsteiner Coriander’s Otto und Anja Engler mit Friese Drewes

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Pas de deux (schwer):

1. Platz: Andrea Blochwitz – Flores of blue
……………(Partnerin: Maren Kruse – Cesar)

2. Platz: Corinna Scholz – Joya
…………….und Ines Diepenbruck – Sureña

20

von links nach rechts: Corinna Scholz – P.R.E. Joya, Ines Diepenbruck – Lusitano Sureña, Maren Kruse – Cesar und Andrea Blochwitz – Welsh-Partbred Flores of blue

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Schwere Kür (alle Teilnehmer):

1. Platz: Corinna Scholz – Joya – Team Légèreté – 138 Punkte
2. Platz: Denise Oberjat – Cyrano de Luxe – 134 Punkte
3. Platz: Maria Taugerbeck – Walentino – 129 Punkte
4. Platz: Vanesse Michna – Nillis – 117 Punkte
5. Platz: Corinna Scholz – Fàscino – Team Légèreté – 115 Punkte
6. Platz: Ines Diepenbruck – Sureña – Team Légèreté – 109 Punkte
7. Platz: Andrea Blochwitz – Flores of blue – Team Légèreté – 102 Punkte
7. Platz: Yasmin Schermer – Orange Blue – 102 Punkte
9. Platz: Maria Bathmann – Indian Manitou – 93 Punkte
10. Platz: Birgit Krickhan – Coriander’s Otto – Team Légèreté – 89 Punkte
11. Platz: Gabriele Saathoff – Beatle Dancer – 81 Punkte

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Corinna Scholz mit Hannoveraner Fàscino

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Offene Kür der Reitweisen, 1. Abteilung:

2. Platz: Ines Diepenbruck – Sureña (Freiarbeit)
4. Platz: Birgit Krickhan – Coriander’s Otto (am Langen Zügel)

18

Ines Diepenbruck mit Sureña

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Offene Kür der Reitweisen, 2. Abteilung:

1. Platz: Corinna Scholz – Joya (Garrocha) – 8,0
3. Platz: Andrea Blochwitz – Flores of blue (Damensattel) – 7,9
3. Platz: Corinna Scholz – Fàscino & Joya (Reiten mit Handpferd) – 7,9

3

Der Hattrick: Corinna Scholz & Joya

Andrea Blochwitz & Flores of blue

Andrea Blochwitz & Flores of blue

Corinna Scholz mit Fàscino & Joya

Corinna Scholz mit Fàscino & Joya

 

Ein Bericht von Ines Diepenbruck – mit mehr oder weniger sinnvollen Kommentaren von Corinna Scholz    🙂

So… ich muss ja mal wieder meinem Ruf gerecht werden, dass meine Berichte länger dauern… also, besser das Snickers jetzt noch holen… vielleicht auch die ganze Packung…

Dieses Jahr sollte Corinna mit Ihrer Vorhersage von vor drei Jahren wirklich Recht behalten: „Eutin gibt es nur bei Dauerregen und 10 Grad oder bei 40° C im Schatten“.
Es war Letzteres angesagt. Meine Güte… heiß, heißer, nicht auszuhalten.

Morgens beim Losfahren ging es noch mit den Temperaturen und auch sonst. Es klappte alles wie am Schnürchen. Das Stütchen stapfte anständig und ohne zu Zögern (nur ein kurzer „muss-ich-denn-wirklich-Blick“, den ich energisch mit „ja!“ beantwortete) in den Hänger. Geil. 8.20 Uhr und wir rollten vom Hof. Laut meiner Rechnung würden wir etwa zwei Stunden später in Eutin ankommen. Ganz locker und entspannt. Meine erste Prüfung sollte um 12.00 losgehen und so würde ich noch in Ruhe Zeit haben, alles vorzubereiten und anzukommen.
Denkste. Ich rollte auf die Autobahn und dachte gleich „Oha, ist das voll hier“. Es war mal knapp zwanzig vor neun, aber da rollte schon dermaßen viel Verkehr auf dem Asphalt, dass mir schon Böses schwante. Keine 10 Kilometer später fing es auch schon an. Stau. Stop and go. Stillstand. Ich hätte zwischenzeitlich wirklich liebend gerne ins Lenkrad gebissen. Um diese Tageszeit hatte ich wirklich noch nicht mit dem Verkehrsaufkommen gerechnet, aber nun stand ich drin in einer Blechlawine, mit dem Stütchen hinten im Hänger. Anfahren, abbremsen, stehen, warten und wieder von vorne. Es entstanden ein paar wirklich unangenehme Situationen. Plötzlich schien sich der Verkehr aufzulösen, wir rollten mit etwa 90 km/h (ts ts ts, ich habe das 100-Schild auf Deinem Hänger noch gar nicht gesehen! Sowas hast Du??) auf der rechten Spur eine kleine Anhöhe. Oben angekommen blickte ich runter und musste echt schlucken. Da stand schon wieder alles still… und ich war noch oben und hatte gefühlt mehr benötigten Bremsweg als den, der real noch zur Verfügung stand. Ich hasse solche Situationen. Nur mit PKW ist es mir ja egal, wie sehr ich in die Eisen hauen muss, aber mit meinem Vierbeiner hinten drin, der bitte stehend am Ziel ankommen sollte… *schluck*

Nun gut, es war nicht zu ändern. Wir rollten also mehr schlecht als recht Richtung Ostsee… mit vielen anderen zusammen. Ich kotzte innerlich und war zwischenzeitlich kurz davor, einfach bei der nächsten Abfahrt die Autobahn zu verlassen und mein Gespann in Richtung Heimat zu lenken. Ich war derweil auch nicht mal mehr sicher, auf welcher Höhe der A1 ich mich befand… vor dem Kreuz Bargteheide oder dahinter? Hatte ich noch die Möglichkeit auf die Autobahn nach Bad Segeberg abzubiegen oder nicht? Ich zückte also meine riiiiiiesige Faltkarte (ja, ich hab sowas noch im Auto), da ich es mit dem Navigationssystem nicht wirklich rausfinden konnte. Und ja, wir waren erst kurz VOR Bargteheide. Sobald die Abfahrt kam, ging’s Richtung Segeberg. Das lief auch gut, hier war nicht viel los. Landstraße ging auch… zunächst… bis dann auch dort nichts mehr ging. Etwa 6 km vor Ahrensbök war dann das Ende der nächsten Staulawine erreicht mit der ich mich dann weite rquälte. Jo, in der stand ich auch… War ansonsten aber auch mein einziges Hindernis auf der Tour. Die Landstraßen gingen echt gut. Alles Richtung Ostsee war eine Katastrophe – und wurde kurze Zeit später noch viel schlimmer... Das Stütchen war zwischenzeitlich auch wirklich ungehalten im Hänger, donnerte mal gegen die Klappe, um ihrem Ärger Luft zu machen. Ich konnte sie verstehen.

Schlussendlich erreichten wir nach bald drei Stunden Fahrt endlich den Hof in Eutin-Fissau. Derweil war es 11.15 Uhr. Musik abgeben (hätte ich mir sparen können, wie sich rausstellte), kurz noch die Startfolge checken (auch wenn ich diese nicht wirklich wahrgenommen hatte, wie ich später feststellte) und dann wieder hoch zum Hänger und meine Südländerin fertig machen. Die war etwas ungehalten, beruhigte sich jedoch recht schnell und wurde handlich und brav. Ursprünglich hatte ich geplant, die Mähne beidseitig einzuflechten und dann Bänder einzubinden. Bereits auf der Fahrt wurde aus Zeitgründen ‚aus beidseitig mit Bändern‘ schon ‚einseitig mit Bändern‘, endlich in Eutin angekommen wurde daraus ‚einseitig ohne Bänder‘. Mehr war nicht drin. Um kurz vor Zwölf saß ich endlich auf dem Pferd. Ich hätte es Sureña nicht verübelt, wenn sie nach der Fahrt nicht gut durchlässig und abgeschlagen gewesen wäre. War sie aber nicht – also durchlässig war sie zu Anfang wirklich nicht, aber auch nicht abgeschlagen. Sie hatte allerdings auch einen Clown gefrühstückt. Beim Abreiten setzte ich die erste Passage zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt an, als wir gerade an einem Zaun-Durchgang vorbeiritten und die Süsse grinste und ging schon mal raus aus dem Abreitplatz. Andrea lachte nur und meinte „gehst du schon wieder?“ Öhm, nein, eigentlich nicht. Irgendwie grinsten Sureña und ich dann beide und wir machten weiter. Die Durchlässigkeit wurde besser und gefühlt waren wir pünktlich zur Prüfung fertig. Im Viereck nahm ich entspannt Aufstellung, hob die Hand für die Musik, und wartete… und wartete… und wartete. Nichts. Stille. Richter Thieß Witt bat mich dann zum Richtertisch; es gäbe technische Probleme *seufz*. Am Richtertisch angekommen hieß es dann, die CD sei leer. Nein, kann nicht sein. Die hatte ich eben im Auto noch an, da lief sie doch. Wirklich, ehrlich, Pfadfinderehrenwort. Half aber nix. Die CD wurde vom CD-Player schnell in den Laptop verfrachtet, doch auch dort ging nix. Mein Hirn arbeitete… ich hatte noch meinen iPod im Auto; mit der nicht ganz aktuellsten Version, aber ok, man kann nicht alles haben. „Könnt ihr iPod anschließen?“ … „Wenn da ein USB-Stecker dran ist.“ Der lag natürlich zu Hause. „Was ist mit einem AUX-Kabel?“ … „Kann ich basteln“. Ok. Ich ritt also zu meinen Eltern, die sich tapfer trotz Stau nach Eutin gekämpft hatten, und bat sie, den iPod samt Kabel aus dem Auto zu holen. Zwischenzeitlich sollten zwei andere Starter vorrücken. Da sieht man, wie praktisch es sein kann, heutzutage diesen ganzen technischen Schnick-Schnack (mit) zu haben. Ich hätte spätestens jetzt selbst gesungen.

Etwa zehn Minuten später der zweite Versuch, den iPod genau auf das Lied eingestellt und hoffen. Erst: Stille… und dann kam doch was! Puh! Ok, dann also doch eine Kür mit Musik.

Und die Kür war gefühlt meiner Meinung nach die beste Prüfung, die Sureña und ich bisher gezeigt haben. Natürlich lassen sich Defizite im Galopp nicht wegreden, die noch fehlende Versammlung, das deutliche nach vorne statt nach oben, trotzdem war ich mit vielen Teilen der Kür mehr als zufrieden. Die Traversalen liefen (auch wenn im Protokoll steht „Traversalen zu wenig Stellung+Biegung“… weiß ich selbst, ich war aber froh, dass es überhaupt Traversalen geworden sind) und die Passage war meines Erachtens nach eine unserer Besten bisher überhaupt. Generell wird die Passage erst langsam abrufbar. Ich glaube, erst vor etwa vier Wochen habe ich zum ersten Mal alleine, ohne Hilfe von unten, eine Passage abfragen können. In diesen vier Wochen hat sich der Rhythmus schon wirklich gut absichern lassen und auch das Tempo geht langsam runter so dass die Schwebephase sich verlängert (trotzdem stand im Protokoll: „Schwebetritte nicht gelungen“… na gut, dann machen wir zum nächsten Jahr ’ne echte Passage draus *lach*). Der Spanische Schritt war auch vom Gefühl her besser als es das Protokoll vermuten ließ („gerade aber unregelmäßig“ – stimmt, aber besser als vieles andere, was wir bisher hatten). Rein von der Wertnote und Platzierung her war ich enttäuscht, denn ich hatte nach meinem eigenen Gefühl her mit etwas Besserem gerechnet. Die Hinweise im Protokoll sind allerdings treffend und hier ist natürlich immer die Diskrepanz zwischen dem, was der Richter jetzt in diesem Moment sieht und dem Bewusstsein dessen, was im Moment überhaupt möglich ist. Von dem her bin ich mit einem innerlichen Sieg aus der Prüfung gegangen!

Die Siegerehrung zog sich hin – also, wurde verschoben. Eigentlich hatte ich eine gute Stunde zwischen der Kür und der Offenen Kür der Reitweisen. Aber die Siegerehrung wollte nicht beginnen. Zunächst kam noch Andrea Mönninghoff’s Schaubild „Pferd und Hund“. Ein tolles Bild, was ich bereits von der Nordpferd kenne. Ich konnte es mir auch gut ein zweites Mal anschauen, allerdings nicht in brütender Hitze und der Zeit im Nacken. Wieder Warten… mein Tagesthema offensichtlich (neben dem Thema: Musik… dazu gleich noch mehr). Dann ging es aber doch los, und danach ging es zum Hänger. Ich stand vor meinem Gespann und stellte fest, dass meine Mutter den Autoschlüssel hatte, ohne den ich an nichts herankam. Und meine Eltern kamen nicht. Ich stöhnte dann nach einigen Minuten (der Sattel lag schon auf dem Sattelhalter des Hängers, Stütchen war abgetrenst, ich hatte einige Klamottenschichten verloren) ein entnervtes „och Mamaaaaaa“. Da kam vom Hänger nebenan (was Vanessas Hänger war, wie ich dann feststellte): „die ist bestimmt noch bei Corinna; Corinna ist mit ihren Pferden in der Siegerehrung gestürzt“. Autsch! Und ich hatte nichts mitbekommen.

Na gut, als Mama und Papa dann eintrafen fragte ich natürlich erst mal nach Corinna… schien alles gutgegangen zu sein. Glück gehabt. Naja, in dem Moment tat nur kurz die Hüfte weh, das ging schnell wieder. Fàsci hatte es die Füße weggerrissen und er war der Länge nach hingeschlagen. Wir sind beide dreckig, aber sonst mit dem Schrecken davon gekommen. Zwei Tage später allerdings ist der rechte Arm so gut wie bewegungsunfähig… Naja, zum Glück nicht noch am Turniertag! Das ist das Risiko, wenn man alleine mit zwei Pferden unterwegs ist – wer bringt die nach Hause, wenn einem was passiert…? Aber das war zu dem Zeitpunkt kein Thema. Wurde es später aber nochmal… Mama schnappte sich dann meine süsse Stute und marschierte mit ihr zur nächsten Tränke. Toll… wenn man bedenkt, wie viel Respekt, wie viel Angst meine Mama noch vor eineinhalb Jahren hatte; da schnappt sie sich meine Stute auf fremdem Gelände und dackelt mit ihr los! Wirklich eine Freude mit anzusehen. Hihi, Sönke mit Fàsci auch. Er war hinterher ganz begeistert. „Als ich sagte steh blieb er stehen und wenn ich losging kam er mit. Der war total handlich!“ Und für mich bedeutete es, ein paar Minuten um die Hände freizuhaben und mich um mich selbst zu kümmern… trinken, umziehen, trinken. Trinken, ja, das sagt mir was. Hörte ich von allen Seiten. Ich vergess sowas ja. Für die Offene Kür der Reitweisen hatte ich ursprünglich zwei Startplätze genannt. Einen für meine Freiarbeit und einen für den Langen Zügel. Generell ist der Lange Zügel in letzter Zeit etwas hinten über gefallen (haha, Wortspiel, tut er das nicht immer…??) und ich übe sehr wenig damit. Vermutlich werden wir demnächst einen Motivationsschub deswegen bekommen, aber derzeit lässt dieser auf sich warten. Unter dieser Voraussetzung und bei dem Wetter beschloss ich dann, den Langen Zügel mal Langen Zügel sein zu lassen. Da durfte sich dieses Jahr Birgit mit Otto drum kümmern. Ich wollte mich auf die Freiarbeit konzentrieren. Bei verbleibenden vier Startern sollte ich als dritte ins Viereck gehen. Da zwischen der Offenen Kür und dem Pas de deux nur 15 Minuten liegen würden, musste ich alles mitschleppen und für alles mitdenken. Stell Dich nicht so an. Das habe ich für zwei Pferde und – äh – wie viele Prüfungen gemacht?? Irgendwo lag immer ein Kleidersack von mir rum  🙂  
Für die Freiarbeit brauchte ich ja nicht viel, aber hinterher. Die Vorbereitung für die Freiarbeit war einfach: ausflechten und warten. Warmmachen war bei dem Wetter eh nicht nötig und weiteres Üben reine Kraftverschwendung. Sureña durfte also während der ersten zwei Ritte (2x Halsring) am Rande des Vierecks im einzigen Schattenfleck grasen. Als es dann endlich losging, wurde mir schon als ich das Halfter abmachte klar, dass diese Kür schwierig werden würde. Sureña driftete gleich mal weg. „Ich geh essen, mach du mal deinen Kram alleine“. Oha. Stütchen eingefangen und dann Abmarsch ins Viereck. Sofort, jetzt! Es gab in dieser Kür einige wunderschön innige Momente… und viele, wo wir uns doch recht fern waren. Meine Güte war die drauf. Der Schritt zu Anfang ging noch, Spanischen Schritt hab ich nicht bekommen (doch ich habe einen oder zwei gesehen – also die Ansätze dazu. Ich wusste, was Du wolltest. Die Richter nicht??), sonst hätten wir dafür das Viereck verlassen, im Trab wurde es dann schon richtig heikel; ich wusste nicht, ob ich gehen oder laufen sollte, der Boden war irre anstrengend (wie mir später auch Birgit bestätigte, die nach ihrer Prüfung am Langen Zügel keuchend in den Seilen hing – Achtung, Wortspiel!) und Sureña war grell. Sie galoppierte an, als es noch nicht soweit war und dann gleich noch mal beim gewollten Angaloppieren mit dermaßen viel Nachdruck, dass ich mich sputen musste, dort hinterher zu kommen. Und dann das Steigen… aaaaaalter Falter. Die kam hochgeschossen als gäb’s kein Morgen mehr und überhaupt haute sie nach der Gerte aus – boah (im Protokoll stand: „Steigen beeindruckend“… ja, fand ich auch *lach*). Jo, das fand ich von der Seite auch. Du sahst etwas erschrocken aus. Sie nicht. Ich dachte erst, sie hätte Dich getroffen. Die hat aber auch nach vorne geballert! Wie schon gesagt: beeindruckend. Danach keuchte ich kurz, fing die Stute wieder ein und hoffte dann, noch raufspringen zu können. Das ging, und die Süsse wartete auch artig… dann ging aber nicht mehr viel. Im Trab durfte ich wenigstens noch lenken, Schritt gab’s dann aber kaum noch – geschweige denn Spanischen Schritt oder eine Traversale. Na gut, man muss damit leben, was man bekommt. Wenn man halt nur noch zwei Gerten in der Hand hat, dann ist man auf Mitarbeit angewiesen und den guten Willen. Es gibt Tage, da geht alles und dann gibt es Tage, da muss man sich mit wenig begnügen… es bringt einen auch schnell mal auf den Boden der Tatsachen zurück. Hättest sie halt nochmal steigen lassen. Das hätte bestimmt funktioniert! Und dabei mit einem Lächeln nach hinten abrutschen… Äh… Hihi…

Angaloppieren ging noch, allerdings nur kurz, und dann versagte auch noch die Musik. Weswegen ich im Protokoll dann einen Vermerk bekam: „Anfangs Musik gut, dann schlechter“… ja, wenn die ausgeht…?!?! Ist doch nicht meine Schuld. Mit Musik hab ich’s in Eutin scheinbar wirklich nicht. Schon letztes Jahr ist während meiner Offenen Kür die Musik ausgefallen und nun dieses Jahr in beiden Prüfungen so ein Chaos… vielleicht sollte ich nächstes Jahr meinen eigenen Recorder mitbringen… oder mein Laptop, oder mein Auto am Viereck parken oder alles zusammen damit auch wirklich irgendwas funktioniert!!! Ich brenn die mit auf meine CD. Da hat nix gehakt. Aber wenn’s an DIR liegt, dann geht meine nachher vielleicht auch nicht…?????

Na ja, jedenfalls war das doch etwas frustrierend. Ließ sich aber auch wieder nicht ändern. Ich beendete also recht schnell und stand auf der Mittellinie; da sah ich den Richter zu Thieß‘ Rechten schon seinen Hut zücken und dachte nur: „nee, wart noch mal bitte“. Mein Schlussgruß war dann wieder stehend auf der Kruppe woraufhin dann im Protokoll auch stand „Schlussgruß beeindruckend“. Das Publikum hat auch schon etwas voreilig geklatscht, hast Du das gehört? Die haben dann aber nochmal inne gehalten, als sie merkten, da kommt noch was. Dann hast Du aber auch echt Applaus bekommen – gerechtfertigt!!

Kaum aus dem Viereck raus ging es an’s Umziehen…während im Viereck Chaos herrschte, weil nun der Strom ganz ausgefallen war. Die arme Birgit stiefelte mit Otto also während der erzwungenen Pause durch’s Viereck. Ich nutzte die Zeit zum Flechten und umziehen. Die Siegerehrung war dann mit Sattel und Kandare, fast vollständig vorbereitet für das Pas de deux. Nur noch mein eigenes Outfit mit Weste und Bluse erinnerte an die eben gezeigte Freiarbeit. Der Richter, der mir gratulierte vermerkte das mit einem „Na, jetzt doch mit Sattel?!?“… „Ja, ich hab gleich noch das Pas de deux“ – „Ach so.“ Ich will mir ja nicht nachsagen lassen, dass ich mich zu einer Siegerehrung nicht auch frei ins Viereck traue (obwohl das sicher ein spannender Ritt gewesen wäre bei Sureñas Stimmung).

Nach der Siegerehrung in die letzten Sachen schlüpfen… das grüne Barockkostüm… oh Himmel war das heiß!!!

Sureña fand die letzte Prüfung absolut überflüssig… die Luft war raus. Da war nix mehr an Durchlässigkeit, und schon gar nicht an Nachgiebigkeit im Genick. Oha. Der Galopp war dann auch nicht schön. Die Harmonie ebenfalls nicht und so wirklich Paar waren wir auch nicht immer… meist waren Sureña und ich doch eher voraus. Joya hechelte ein wenig, als ich ihn so anschob. Das Tempo hatte ihn ja schon beim Üben sehr beeindruckt. Und hier fiel ihm dann mitten im Pas de deux noch ein, dass der Sattel vielleicht doch gerade jetzt nicht so ideal ist… Aaaaahhh! Er klemmte und ich scheuchte, naja, dass das nicht alles einwandfrei aussah, wurde da schon spürbar… Das aufeinander-zu-reiten im Galopp haben wir Sureña auch wirklich so richtig verleidet. Schon beim Üben zu Hause ist Joya doch immer sehr weit zu uns rüber gedriftet, so dass Sureña sich bedrängt gefühlt hat und diese Übergänge beim Üben immer schlechter wurden. Nee, der ist nicht gedriftet, ich wusste nur nicht, dass er ihr solche Angst macht. Hätten wir sofort anders haben können. Beim letzten Üben hab ich’s gesehen und in Eutin einen schönen Bogen gemacht – den hat sie ihm aber nicht geglaubt… Nächstes mal wissen wir’s! Jetzt in Eutin ging gar nichts mehr. Sie riss den Kopf hoch und verdrehte fast schon die Augen. Da war richtig Angst dahinter. Da muss ich jetzt mal in Ruhe wieder rangehen, dafür sorgen, dass hier das Vertrauen zurück kommt. Diese zwei ‚Aussetzer‘ haben sicher nicht zum harmonischen Gesamteindruck beigetragen und dann vergaß ich auch noch den Schlussteil der Kür und verpatzte gleich noch mal das Bild. Wirklich nicht unbedingt die schönste Vorstellung. Sorry, Corinna. Hihi, alles gut! Ich hab ja mitgepatzt. Egal. Wir waren schön. UND WIE!!!! Nobel geht die Welt zugrunde. Die Kostüme waren wirklich der Hammer. Mit den passenden Schabracken, nun auch die Barock-Kostüme mit ein bisschen mehr Schick aufgehübscht… ja, das sah wirklich gut aus und dafür gab’s im Protokoll einen positiven Eintrag ins Klassenbuch in Form der Note ZEHN! für den Gesamteindruck und das Herausgebrachtsein! Wir merken uns: ich reiß das Pas de deux von zu Hause aus raus und Corinna muss es dann auf dem Pferd rausreißen, während ich es versaue… dafür würde Corinna versuchen, ein Kostüm zusammen zu tackern und zu versauen *g*. Versuchen? Ich KANN Kostüme versauen! Und tackern kann ich auch! So!

Ich war heilfroh, meine Prüfungen beendet zu haben. Ursprünglich hatte ich geplant, bis zum Schluss zu bleiben und mir auch Corinnas Abteilung der Offenen Kür anzuschauen (warum man bei zwölf Nennungen in zwei Abteilungen teilt ist mir wirklich ein Rätsel… vor allem, wenn allein 5 dieser Nennungen auf zwei Personen – Corinna und mich – fallen). Nach meinen Prüfungen und auch der Horror-Fahrt vom Vormittag disponierte ich allerdings kurzentschlossen um. Da Corinna mit Sandra wenigstens noch ein verbliebenes Helferlein bei sich hatte, und meine Mutter angeboten hatte, mit mir mitzufahren, so dass ich die Strecke nicht alleine sein würde, verlud ich dann doch mein Stütchen in der Hoffnung, noch vor der Stauwelle des Rückreiseverkehrs nach Hause zu kommen. Was ein bisschen schade war… Aber es zog sich ja noch länger hin als geplant, noch ein Schaubild, und noch ein Schaubild… Wir übrig gebliebenen drei Teilnehmer – ich wollte von drei geplanten Starts „nur noch“ zwei wahrnehmen, Garrocha und Reiten mit Handpferd, und dann waren noch Andrea (Damensattel) und Ulrike (Zirzensische Lektionen) dabei – warteten tapfer gemeinsam und während dieser Warterei spürte ich tatsächlich, wie sich ein Sonnenstich anfühlt. Das – bzw. mir – wurde ziemlich übel. Mit Apfelschorle und einer Kugel Eis erweckte man mich wieder zum Leben, so dass ich meine Prüfungen reiten konnte. Aber ich machte mir echt Sorgen, ob ich meine tollen Jungs heil nach Hause bekommen würde. War alles gar nicht so witzig. Das was einfach ein bisschen viel Sonne…

Ich hätte es meiner Stute nicht übel genommen, wenn sie nach der langen Hinfahrt ein riesiges Theater beim Verladen gemacht hätte… sie dachte auch kurz drüber nach, sprang einmal links und einmal rechts, überlegte mit den Augen zu rollen, atmete dann einmal durch, senkte den Kopf und tastete sich zum Hänger. Der erste Schritt war zögernd, der zweite sicherer und dann zog sie ruhig und gleichmäßig die Rampe hoch. Durchatmen auf meiner Seite. Und dann ging’s nach Hause.

Meine Rechnung ging auch glücklicherweise wirklich auf. Wir hatten nur in Bad Segeberg kurz stockenden Verkehr, aber danach lief alles wie am Schnürchen. Nach nicht mal zwei Stunden waren wir zu Hause.

Fazit: Es war ein wahnsinnig anstrengender Tag, ein wahnsinnig heißer Tag, und gleichermaßen auch ein wirklich schöner Tag. Ich mag diese Atmosphäre in Eutin, dieses Miteinander statt Gegeneinander. Man freut sich für die anderen, man fiebert auch mit den anderen mit, es heißt ‚gönnen können‘.
Bis zum nächsten Jahr, zum Jubiläum! Wollja, wir sind dabei!

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