1.5. – Tag der offenen (Stall)Tür

Wenn Engel reisen… Äh, reiten…

Tagelang Regen und vor noch nicht einmal einer Woche noch Schnee (!!), und am Sonntag strahlender Sonnenschein und bis 18 Grad – was für eine Wohltat!
Und was für ein Wetter für diesen tollen Tag, an dem der Möschenhof in Alvesohe sich am von der FN bundesweit ausgeschriebenen „Tag der offenen Stalltür“ beteiligte. Natürlich mit buntem Showprogramm, von dem einige unserer Mitglieder den Großteil bestritten.

Das Showprogramm wurde eröffnet mit dem Schaubild „Flagge zeigen!“ Mit vier Pferden zeigten wir, was man mit Fahnen so alles anstellen kann und dass die Gewöhnung daran eine hervorragende vertrauensbildende Maßnahme ist. Das war ein sehr gelungener Auftakt, denn auch wenn uns Teilnehmern dieses Schaubild so unspektakulär vorkommt (weil es für uns so selbstverständlich ist, dass die Pferde die Fahne kennen und akzeptieren lernen), bekamen wir hierauf eine Menge Resonanz, dass dieses Bild von den Leuten als ganz faszinierend empfunden wurde und zum Nachahmen anregte. Na, dann hat es doch seinen Zweck erfüllt!
Zum Gelingen beigetragen haben: Corinna mit Nacariño, Ines mit Sureña, Tanja mit Flamenco und Melanie mit Josie.

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In „Arbeit an der Hand“ stellten diese vier zuerst das Übertreten an der Hand und danach alle klassischen Seitengänge vor. Im Anschluss zeigten die Pferde – je nach Können und Möglichkeiten – Spanischen Gruß / Schritt und Trab, Galopp an der Hand, Ansätze zur Piaffe, Kompliment und Plié und die Pesade. Sureña zeigte sogar die Laufcourbette.

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Birgit mit De Piet, Fee mit Iepey und Anja mit Drewes zeigten ein Pas de Trois und hatten sich für diese ja nicht einfache Kombination (zwei gerittene Pferde und eines am Langen Zügel) eine schöne Choreografie ausgedacht, die von sehr passender Musik untermalt wurde. Dieses Schaubild zeigten sie zweimal, der zweite Auftritt gelang auch prompt besser.

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Danach zeigten Ines und Sureña die mit Abstand schönste „Pure Freiheit“, die sie bislang hatten. Zum ersten Mal legte sich Sureña dabei auch unter dem Reiter hin. Das war so richtig was für die Tränendrüse… Einfach nur zauberhaft.

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Unser Abschluss-Bild waren die Iberischen Impressionen. Wir ritten mit drei Pferden und drei Fahnen ein – Spanien, Portugal, Andalusien. Das war schon ein großartiger Anblick! Corinna stellte dann Auszüge aus den Lektionen der Doma Vaquera vor, Ines zeigte Elemente der klassischen Dressur Portugals. Tanja demonstrierte mit Flamenco und Señorita Doris auf der Kruppe ein von spanischen Ferias nicht wegzudenkendes Bild.
Danach wechselten alle noch einmal die Reit- bzw. Arbeitsweise. Ines präsentierte Sureña nun am Langen Zügel, Corinna nahm die Garrocha zur Hand und Tanja stellte Flamenco noch in der Arbeit in der Hand vor.
Ein rundum schönes, farbenprächtiges und vielseitiges Abschluss-Schaubild!

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Corinna hat mit ihrem Nachwuchspferd Nacariño den Tag so erlebt:

„Dieser Tag bot für mich eine großartige Gelegenheit, meine Jungspunde Show-Routine sammeln zu lassen. Ich nahm allerdings kurzentschlossen nur Nacariño mit – und war im Nachhinein heilfroh, so entschieden zu haben, denn er war derart engergiegeladen und übermotiviert, mit der Power war er anstrengend für zwei 🙂
Rampensau! Er ging drei Schaubilder, und das waren ja nun die ersten, in denen er bis zu einem gewissen Grade am Punkt „funktionieren“ musste – zumindest in der Arbeit an der Hand, da ist der Ablauf ja ziemlich genau vorgegeben.
Aber mal von vorne – das Verladen zu Hause war so unfassbar lässig, das alleine rettete mir eigentlich schon den Tag. Nacariño ging auch sofort in die ihm zugeteilte Gastbox mit „Seeblick“, er fraß das Heu, trank aus der Tränke, und schmiss sich leider auch erstmal ins Stroh. Zum Glück war das sauber, und so blieb mein Weißer, den ich gestern noch in weiten Teilen gewaschen hatte, weiß. 
Unser erstes Schaubild war „Flagge zeigen!“. Nacariño hatte ich an der Hand. Ich zeigte, wie man ein junges (vs. unerfahrenes) Pferd an eine Fahne gewöhnen kann. Er bestaunte kurz freundlich interessiert das Publikum und wirkte weder unerfahren noch jung und nahm die Fahne schließlich wiederholt ins Maul und hielt sie fest. Schließlich wickelte ich ihn noch in die große Fahne ein – die sah er zum zweiten Mal überhaupt und tat so, als würde ich ihn seit Jahren täglich darin einwickeln. Völlig cool!

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Unser nächstes Schaubild war „Arbeit an der Hand“. Da hatten wir nicht so viel Spielraum, gerade mal das zu machen, was geht, da gibt es eine klare Reihenfolge, wann was gezeigt wird. Nacariño war inzwischen so aufgekratzt, dass er nicht in der Lage war, um mich herum überzutreten, und in den dann folgenden Seitengängen dachte er alle Nase lang sehr rückwärts / aufwärts, war happig unter Strom, so dass ich nur zusehen konnte, vorwärts zu kommen, was natürlich unsere Abteilung ziemlich auseinander zog. Das war nicht weiter schlimm, das konnte immer wieder ausgeglichen werden, aber ich hatte gehörig zu tun, Nacariño einigermaßen im Fluss zu halten und den jeweils gewünschten Seitengang abzurufen, er wollte alles gleichzeitig und stand sich damit selbst im Weg. Das strengte ganz schön an, weil ich ungeheuer aufpassen und das beste Maß zwischen „vor!“ und „bleib hier“ finden musste.
Ich kann mir vorstellen, dass das nach außen längst nicht so auffiel wie mir; oder sagen wir mal, ich hoffe, dass es nach außen nicht so auffiel 🙂
Er zeigte mit Begeisterung Spanischen Schritt und Trab und ein tolles Kompliment. Und dann Galopp an der Hand! Nacariño galoppierte einfach so eine komplette Runde neben mir her! Total lässig! Zu schön! Das war überhaupt erst das dritte Mal, dass er neben mir galoppierte!

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Die Pesade zeigten wir natürlich auch – Nacariños Beine flogen eh nur noch so durch die Luft, aber in den Pesaden stieg er so hoch, das hatte ich noch nie gesehen. Seine Vorderbeine waren ein ganzes Stück über meinem Kopf. Boah, sah das toll aus! Ich hatte das Steigen zu Hause ja überhaupt nicht mehr bewusst abgerufen, wohl wissend, dass ich das immer kriegen würde. Das ich es aber in einer derartigen Qualität bekommen würde, damit hätte ich im Leben nicht gerechnet. Nacariño kriegte sich gar nicht mehr ein vor Übereifer. Er stieg schließlich sogar frei – das war ein sehr spontaner Entschluss, ich ließ im Galopp die Zügel fallen, sprang zurück, er drehte sich sofort zu mir und da passte es einfach. Schön, schön, schön!!
Das Podest durfte natürlich nicht fehlen – zum ersten Mal lehnte ich mich bei Nacariño an, und danach machte er noch eine komplette Vorhandwendung auf dem Podest. Das hatte er bei Krämer ja zufällig angeboten, geübt hatte ich das nie. Auch nach Krämer nicht mehr. Und hier tatsächlich einmal komplett rum…

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Und dann stand auch schon unser letztes Schaubild an, die Iberischen Impressionen. So, wie Nacariño drauf war, musste ich da vorher rauf, für einen Kaltstart war er zu kernig, das hätte an der Garrocha sehr unterhaltsam werden können. Er buckelte, schlug ein paar Haken, das alles fühlte sich aber so weich an, dass ich trotz glatter Vaquero-Hose auf glattem Sattel nie in Wohnungsnot kam. Rittiger wurde er allerdings nicht, er zog sich immer mehr hoch. Hmm, das war ja nun nicht die Idee hinter „Abreiten“ gewesen. Er war echt knackig. Das konnte ja lustig werden…
Rampensau, erwähnte ich es schon? Kaum in der Bahn, atmete er aus und gab nach. Wir ritten zu dritt mit den iberischen Fahnen ein und dieser Anblick war einfach zu schön. Ines und ich legten unsere Fahne relativ bald weg und zeigten Seitengänge und andere Lektionen, Nacariño ging ein super Travers rechts und auch die eine oder andere Rechtstraversale und gutes Schulterherein, ich ließ ihn weitgehend machen und sich entspannen. Er hörte immer besser zu, konnte immer ruhiger werden und so wurde das Gefühl immer besser. Nach einigen Minuten tauschten wir alle noch einmal die Arbeitsweise, ich nahm die Garrocha dazu. Nacariño war teilweise sehr gut, brach aber auch immer wieder mal ein bisschen aus. Insgesamt aber machte er das großartig!

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Ich war ziemlich geschafft, zumindest körperlich, mental war ich mindestens so aufgekratzt wie mein großartiges, junges Pferd. Er war ganz schön überdreht. Das waren aber auch eine Menge Erlebnisse und Eindrücke!
Was für ein spannender, erlebnis- und erfolgreicher Tag!“

Für Tanja und Flamenco, die erst seit einem halben Jahr „ein Paar“ sind und dies – beiderseits – der allererste Auftritt überhaupt war, verlief der Tag so:

„Ich hätte es wissen sollen. Böse Zungen im Stall behaupten ja, dass mein 13jähriger P.R.E.-Wallach Flamenco klingt wie ein Schwein, wenn er nach seinen Pferdekumpels ruft. Seit diesem Wochenende weiß ich auch, warum. Da ist ganz sicher mal Rampensau eingekreuzt worden bei diesem kleinen Spanier!

Für uns beide war der Tag der offenen Tür auf dem Möschenhof eine Premiere. Zum allerersten Mal präsentierten wir uns vor Publikum. Und da Flamenco wahlweise ein kleiner Angsthase oder ein extrem kluges Tier ist (wer weiß schon so genau, ob die liegende Drahtrolle, das Flatterband oder die Enten auf dem Teich wirklich so harmlos sind, wie sie tun…), ging das bei mir in der Vorbereitung nicht ohne gewisse Bedenken ab. Alles grundlos, Flamenco zuckte nicht, muckte nicht, sprang erst recht nicht zur Seite und konzentrierte sich sehr gründlich auf seine Aufgaben.

Zuerst im Schaubild „Flagge zeigen!“, das bis vor zwei Wochen noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre – er wäre schreiend weggelaufen beim Anblick eines flatternden Dingsbums, das auch noch von schrägobenseitwärts kommt. „Flami“ war die Ruhe selbst, ließ sich die Flagge willig über den Kopf ziehen und guckte sich nur neugierig an, wer denn da zum Zugucken gekommen war.

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Bei der Arbeit an der Hand ging er, die Öhrchen immer aufmerksam auf mich gerichtet, routiniert durch Schulterherein, Renvers, Travers, Traversale und Anfänge der Piaffe.

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Seinen ganz großen Auftritt hatte er aber im letzten Schaubild, „Iberische Impressionen“, als er in aller Seelenruhe mich und meine Señorita Doris samt flatterndem Rock und Andalusien-Fahne auf der Kruppe durch die Halle trug – als hätte er nie was anderes gemacht und sei seit Jahren Stammgast auf den Ferias dieser Welt.  

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Am Ende des Tages bleibt mir nur zu sagen: „Mama“ ist stolz auf ihren tollen Jungen und der Tag auf dem Möschenhof war richtig schön, herrliches Wetter, tolle Menschen, großartige Pferde! Unser nächster gemeinsamer Auftritt kann (und wird hoffentlich) kommen!“