Britta Roby (2. Vorsitzende)

Pferde faszinieren mich schon, so lange ich denken kann, und bereits als kleines Mädchen saß ich hier und da mal beim Ponyreiten auf einem dieser wundervollen Geschöpfe.
Je älter ich wurde, desto mehr zog es mich zu den Pferden. Doch leider unterstützten meine Eltern diese Liebe so gut wie gar nicht. Außer im Ferienprogramm musste ich mir jegliches Reiten von meinem Taschengeld abzweigen und somit konnte ich mir Reitstunden so gut wie gar nicht leisten. Trotzdem verbrachte ich meine freie Zeit fast immer in der Nähe von Pferden. Denn selbst wenn ich nur mit ihnen zusammen sein konnte, war ich irgendwie glücklich.

Mit 16 Jahren hatte ich das große Glück, in unserem Dorf eine Reitbeteiligung auf einer Trakehner-Stute zu bekommen, wofür ich nichts zu bezahlen brauchte, sondern mich nur regelmäßig um sie kümmern sollte. Gesagt, getan und  ich verbrachte natürlich jede freie Minute bei „Verona“. Wir hatten eine tolle Zeit, und auch als sie tragend wurde kümmerte ich mich weiter um sie. Auch als ich sie nicht mehr reiten konnte. Ich erlebte die Geburt ihres Fohlen mit und genoss einfach die Zeit und die die Erfahrungen, die ich sammeln konnte. Wir hatten zwei tolle Jahre zusammen, bis Verona auf Grund eines Herzfehlers leider verstarb.

So zogen wieder die Jahre ins Land, ohne dass ich viel Gelegenheit hatte, meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen zu können.
Ich machte meine Ausbildung, heiratete und bekam meine beiden Töchter.

Ab und an fuhr ich mit den Mädchen zum Ponyreiten auf einen kleinen Hof, bis dieser aus Altersgründen seine Tore schloss.
Wieder begannen die Jahre ohne Pferde ins Land zu ziehen.

Erst 2004, nachdem ich mittlerweile von Hamburg nach Schleswig-Holstein gezogen war und meine Mädchen 8 und 11 Jahre alt waren, ergab es sich wieder, dass ich die Gelegenheit fand, mich mit Pferden zu beschäftigen. Meine Töchter hatten auf einem privaten Hof ihre ersten Reitstunden und wir kümmerten uns um eine alten Welsh-Cob-Wallach, der schon 29 Jahre alt war und nicht mehr geritten werden konnte.  Wir hatten eine wunderschöne Zeit mit „Sioux“ und er lehrte uns so viel über Umgang, Vertrauen und alles, was man neben dem Reiten mit einem Pferd erleben kann. Er war wirklich ein Geschenk ❤

Mit 32 Jahren verließ Sioux uns, um über die Regenbogenbrücke auf die ewig grünen Wiesen zu gehen.

Für mich stand fest, dass ich nun endlich ein eigenes Pferd haben, mir endlich meinen Kindheitstraum erfüllen wollte!
Glücklicherweise war mein Mann Carsten ebenso pferdeverrückt wie ich und wir kamen über einen Reitstall, in dem die Mädchen und ich Reitunterricht nahmen, an unser erstes eigenes Pferd. Im Oktober 2008 trafen wir sie.
„Gloria“. Eine 18jährige Oldenburger-Stute, für die ein schöner „Endplatz“ gesucht wurde. Sie war das perfekte Familien-Pferd und sehr gelassen in ihrer Art. Unsere größte Lehrerin in Bezug auf Umdenken im Umgang mit Pferden, wie sich herausstellte ?

Schnell stellte sich heraus, dass ein Pferd für vier Personen doch ein bisschen wenig war. Zumal unsere jüngere Tochter gerne Turniere reiten wollte. Aber nicht mehr mit einer bereits 19jährigen „alten“ Stute!

So fanden wir im November 2009 bei der Suche nach einem Zweitpferd unseren Hannoveraner „World Magic“. Er war 9jährig und L-Dressur-fertig. Mein Bauchgefühl sagte mir, nimm diesen Wallach.
Doch leider stellte sich recht schnell, nachdem wir ihn gekauft hatten, heraus,  daß Magic überhaupt nichts davon hielt, weiterhin ein Turnierpferd zu sein.  Er wurde krank und vorerst unreitbar. Unser größter Lehrer, was das Auge und das Gefühl für Pferde angeht. Magic lehrte uns, auf unser Gefühl zu vertrauen, und zwar immer! Egal was andere einem „raten“ ?

Da Magic also kein Turnierpferd sein wollte und ein gutes Jahr brauchte, um sich wieder weitgehend zu erholen, ergab es sich dann 2011, dass wir zu unserer „Phalanx“ kamen. Ich kaufte sie 11jährig von einer Arbeitskollegin, da ihre Tochter nicht  mit ihr zurechtkam und meine Tochter Nadja, die sie zunächst reiten durfte, einen Draht hatte zu dieser doch recht spritzigen Holsteiner-/Traber-Stute hatte.

Da ich mich nun doch des öfteren mit meiner Tochter auf dem einen oder anderen Turnierplatz herumtrieb, kam es auch, dass ich mir im August 2011 zum ersten Mal das Breitensportturnier in Bad Segeberg ansah. Und die Kommentare von Corinna Scholz in den Prüfungen des Team Légèreté hörte.
Ich hatte Corinna Scholz bereits bei einer Bekannten im Stall gesehen, wo sie gerade Unterricht gab, und war fasziniert von dieser Art des Unterrichts, die so ganz anders war als das, was ich bis dahin kennengelernt hatte. Mit alternativen Methoden zu reiten und Umgang mit Pferden beschäftigte ich mich ja schon etwas länger. Doch was ich hier sah, sprach mit total an.
Ich sah die Prüfungen „Das alte Pferd“ und die „Offene Kür der Reitweisen“. Im darauffolgenden Jahr (also 2012) meldete ich mich zum allerersten Mal in meinem ganzen Leben zu einem Turnier an.

Es war das Breitensportturnier und die Prüfung „Das alte Pferd“, an der ich mit meiner damals 22jährigen Gloria unbedingt teilnehmen wollte. Auch wenn ich erst 5 Jahre zuvor, im Alter von 36 Jahren, reiten gelernt hatte, wollte ich einfach wissen, wie wohl unsere Beurteilung ausfallen würde. Denn auf den FN-Turnieren hatte ich derartige Kommentare noch nie gehört.

Brav in weißer Reithose, blauem Jacket und ohne Musik starteten Gloria und ich also unsere allererste gemeinsame Prüfung und bekamen sogar den dritten Platz. Obwohl ich gestehen muss, dass mich der offene Kommentar von Corinna nach unserer Darbietung noch viel mehr gefreut hat! Endlich wurde meine Stute nicht als „alt“ in dem Sinne bezeichnet, sondern gesehen. Eben, wie fit und freudig sie trotz ihres Alters noch ist. Für mich war das dann auch der Anlass, diesem eben anderen Verein, dem Team Légèreté, beizutreten.

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Meine Tochter hat die Reiterei aufgegeben und Phalanx lebt nun zusammen mit Gloria und Magic in unserem Offenstall und erfreut sich an der etwas anderen Art und Weise der Arbeit,  die wir mit ihr machen.  Seit 2012 bin ich nun aktives Mitglied im Team Légèreté und ich hoffe auf noch viele weitere tolle und aufregende Jahre!

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Ach ja…..
Übrigens ist es auch unserem Team Légèreté mit zu verdanken, dass mein Mann Carsten und ich seit April 2015 unser viertes Pferd,  unseren „Elvedir Neapolitano“, einen Lipizzaner, bei uns aufgenommen haben!
Wer Lust hat, mehr über diese Geschichte zu erfahren: es gibt seit Juli 2016 das Buch „Schlachthaus der Lipizzaner“, in dem unsere und viele weitere Geschichten rund um eine riesige Lipizzaner-Rettungsaktion zu finden sind.

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