6. Team-Turnier

Am 2. Juli veranstaltete das Team Légèreté sein nun schon 6. Turnier – und zum ersten Mal war es ein „Outdoor-Turnier“ mit Trail- und Geländeprüfungen. Hierfür hatten wir das Gelände des Johannenhofes in Heist gemietet. Uns erwarteten neben Gastboxen für alle teilnehmenden Pferde eine frisch durchgezogene Halle zum Abreiten, zwei freundlich zurecht gemachte Geländestrecken, ein idealer Platz für die beiden Trail-Prüfungen und ein leider ziemlich abgesoffenes Dressurviereck. Super zu reiten war es auf dem Waldviereck trotzdem, und wer später das Gelände nicht genannt hatte, konnte zumindest sein Pferd durch Wasser schicken 🙂

Das fanden naturgemäß gar nicht alle Pferde gleich gut, und so erhöhte schon alleine dieses Viereck den Schwierigkeitsgrad. Dem Gelände hatten die Wolkenbrüche der vergangenen Tage nichts anhaben können – nicht einmal in der Senke stand Wasser, und die haben wir schon als Teich erlebt!

Ausgeschrieben hatten wir eine leichte und eine schwere(re) Dressuraufgabe, einen geführten und einen gerittenen Trail und einen leichten und einen schwereren Geländeritt. Wer alle drei Prüfungen eines Schwierigkeitsgrades absolvierte, kam noch in die kombinierte Wertung.
Man konnte die Prüfungen aber auch unabhängig davon einzeln nennen.

Von 14 genannten Pferden traten leider nur 9 an. Ausfälle gibt es natürlich immer, aber die traurigsten waren die beiden, deren Stall kurzfristig wegen der infektiösen Anämie gesperrt worden war (obwohl hierfür überhaupt kein Anlass bestand, und das war das ärgerlichste).
Das entzerrte zwar den Zeitplan, wir kamen mit den Zeiten sehr gut zurecht und unsere Prüferin, Inken Manz, konnte entspannt richten und die Protokolle in Ruhe fertigstellen, dennoch hätten wir gerade diese beiden Pferde so gerne dabei gehabt, denn beide waren in mehreren Prüfungen genannt und hätten das Bild – alleine schon der Rassevielfalt wegen – deutlich aufgepeppt. Die war aber natürlich auch so wieder beeindruckend, vor allem bewiesen wir mal wieder, dass unsere Pferde nicht dem Klischee entsprechen – in der schweren Geländeprüfung gingen ausschließlich P.R.E.s an den Start!

Inken Manz leistete absolut großartige Arbeit. 
Wohlwollend, pro Pferd und Reiter – auch wenn sie während der ersten Prüfung etwas verwirrt war, wie sie denn nun darauf reagieren solle, dass sich hier nach Strich und Faden verritten wurde (die Aufgaben waren auswendig oder mit eigenem Kommandogeber zu reiten – und alle ritten auswendig. Mit unterschiedlich ausgeprägten Gedächtnislücken).
„Normalerweise könnte ich dafür keine Note geben“ sagte sie… Wenn sie zu viel Verreiten nicht mehr abziehen kann, dann solle sie dennoch eine Note geben, keiner solle hier ausscheiden und alle sollten Noten bekommen. „Dann muss ich eine Vier geben“ – unsere Würfel fangen bei 5 an, und die anderen sollen dann eben lieber eine 7 oder 8 bekommen, auch wenn das auf keinem „normalen“ Turnier so wäre. Wir sind so weit von der FN entfernt (bewusst!), dass sich hier, was Motivation für die Reiter ausgeht, austoben dürfe. Und das tat sie dann auch.

Pünktlich um 10.00 startete die Leichte Dressur. Der Regen regnete so vor sich hin, nicht wirklich schlimm, aber auch nicht schön. Naja, bei so viel Wasser von unten war ein bisschen von oben auch egal. Ist doch kein Ponyhof hier. Also, lächeln und reiten!

Das Lächeln fiel nicht allen leicht, aber alle Reiter gaben sich eine ungeheure Mühe. 
Fünf gingen an den Start und hatten die folgende Aufgabe zu bewältigen:

A Einreiten im Mittelschritt
zw. X und G Halt, Gruß
C Mittelschritt, linke Hand
H – X – F durch die ganze Bahn wechseln, Dehnungshaltung
A – X – A – X Arbeitstrab, auf dem Zirkel geritten (leichttraben oder aussitzen),
an der offenen Zirkelseite eine Pferdelänge überstreichen

X – C – X – C Aus dem Zirkel wechseln,
an der offenen Zirkelseite eine Pferdelänge überstreichen
C ganze Bahn  (aussitzen)
H – K An der langen Seite eine einfache Schlangenlinie

A Mittelschritt
F – X – H durch die ganze Bahn wechseln, Dehnungshaltung
C Arbeitstrab
B – E – B Mittelzirkel, vor E Arbeitsgalopp
B ganze Bahn
zw. F und A Arbeitstrab
A – C Schlangenlinie durch die Bahn, 4 Bogen
E – B Mittelzirkel, vor B Arbeitsgalopp (B – E – B  Mittelzirkel)
B ganze Bahn
vor M Arbeitstrab
H – B durch die halbe Bahn wechseln
zw. den Zirkelpunkten doppelte halbe Volte
(erste halbe Volte am Zirkelpunkt vor F, Handwechsel in der Zirkelmitte, ankommen nach der zweiten halben Volte am Zirkelpunkt vor K)
A Mittellinie
zw. X und G Halt, Gruß   

Die Ergebnisse:

1. Julia – Fey (22 Haflinger/Dt.Reitpony) – 8,5

2. Tanja – Flamenco (14 P.R.E.) – 7,8

3. Doris – Fynn (7 Trakehner/Quarter-Horse) – 7,5

4. Maja – Dancing Doreen (20 Hannoveraner) – 6,8

5. Julia – Botijo (8 P.R.E.) – 5,9
(ohne die extrem eigenwillige Linienführung wäre die Note viel besser gewesen)

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Es folgte die schwerere Aufgabe, der sich ebenfalls fünf Reiter stellten.
Diese Figuren und Lektionen wurden verlangt:

A Einreiten im Mittelschritt
X Halt, Gruß. Anreiten im Mittelschritt
G – C Arbeitstrab, linke Hand
H – B durch die halbe Bahn wechseln, dabei eine Pferdelänge überstreichen
K – H An der langen Seite eine einfache Schlangenlinie
C Mittelschritt
B Halten. Eine Pferdelänge rückwärts richten, danach halten. Mittelschritt.
F Arbeitstrab.
A – C Schlangenlinie durch die Bahn, 4 Bogen, von Außenstellung zu Außenstellung
E – B – E Mittelzirkel, Arbeitsgalopp
E ganze Bahn, K Arbeitstrab
F – E durch die halbe Bahn wechseln
E – B – E Mittelzirkel, Arbeitsgalopp
E ganze Bahn, H Arbeitstrab
M – B Schulterherein
B – X – E doppelte halbe Volte
E – K Schulterherein
F – X halbe Diagonale
X – G Mittellinie, G Halt, Gruß

Den Startern sah man durchweg eine schon größere Souveränität an, mit den Pfützen zu kämpfen hatten aber auch hier manche. Verritten wurde sich hier aber (so gut wie) gar nicht 🙂

Die Ergebnisse:

1. Corinna – Querendón – 9,0

2. Corinna – Nacariño – 8,8

3. Julia – Fey – 8,0

4. Nicole – Navarre (7 P.R.E.) – 7,8

5. Gerlinde – Winja (16 Hannoveraner) – 7,5

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Die Siegerehrung für beide Prüfungen stand an, und da riss der Himmel auf. Ganz vorsichtig schoben sich erste zaghafte Sonnenstrahlen durch die Wolken, die letzten Tropfen fielen. In der Prüfung waren wohl alle mehr oder weniger nass geworden (von allen Seiten), in der Siegerehrung standen wir da, quatschten, und stellten auf einmal fest, dass wir alle – und unsere Pferde auch – wieder trocken waren. So weiter!!

Wir brachten die Pferde weg und trafen uns im Trail-Parcours. Inken erklärte uns beim gemeinsamen Abgehen, worauf sie an den einzelnen Hindernissen Wert legte. Acht Hindernisse waren im geführten Trail zu bewältigen:

Slalom – der Führer geht (und bleibt) auf der linken Seite des Slaloms, das Pferd wird durch das Slalom geführt; vom Führer weg, zum Führer hin, vom Führer weg

Baumscheibe  das Pferd mit den Vorderbeinen auf die Baumscheibe stellen, Stillstand

Mülltonne – Deckel mit der linken Hand aufklappen, das Pferd einmal um die Tonne führen, Deckel mit der rechten Hand zuklappen

Regenschirm & Acht – den Schirm aufspannen, zwischen den Stäben hindurch eine Acht führen, den Schirm wieder schließen abstellen

Plane – drüber führen, darauf anhalten

Luftballons – an den Ballons vorbeiführen, daneben anhalten

Rückwärtsgasse  vorwärts in die Gasse, bis die Vorderbeine wieder draußen sind. Rückwärts durch die Stangen-Gasse führen, bis das Pferd ganz draußen sind

Rappelsack – den Rappelsack nehmen und mitziehen, das Pferd durch die Gasse führen, der Führer bleibt neben der Gasse. Danach den Rappelsack wieder zurückbringen

Podest kennt doch inzwischen jeder, aber die Vorderhufe auf so eine Baumscheibe zu stellen, das ist doch mal was anderes. Diese Baumscheibe versprach, schwierig zu werden – aber doch nicht so!
Es war schon schwer, die geführten Pferde da rauf zu stellen, bei den gerittenen gelang es keinem so richtig. Spannend! Die Pferde verstanden einfach nicht, warum sie da ihre Füße raufstellen sollten.
Muss für sie so unlogisch wie ein Gullideckel gewesen sein 🙂

Während der Prüfung war der erste Kamera-Akku leer…
Da musste erst schnell die Kamera gewechselt werden.
Aber Carsten war schnell wieder am Werk!
By the way… DANKE, Carsten, für diese so vielen super schönen Bilder!!

Die Hindernisse waren im gerittenen Trail dieselben, aber die Anforderungen waren etwas andere:

Das Slalom wurde im Zick-Zack im Schritt durchritten, und zwar kurz – lang – lang – kurz. Also gerade darauf zu, eine halbe seitliche Verschiebung bis neben die erste Pylone, eine lange Verschiebung bis neben die mittlere, eine lange Verschiebung bis neben die dritte, von dort noch eine halbe Verschiebung und geradeaus. Zu welcher Seite man beginnt, durfte man frei wählen, ebenso ob als Schenkelweichen oder in Travers-Stellung.

Dann sollten die Pferde wieder mit beiden Vorderbeinen auf der Baumscheibe stehen.

Neben der Mülltonne wurde dem Reiter jetzt ein Softball angereicht, der vom Pferd aus in die Tonne geworfen werden musste. Die Entfernung war frei wählbar – wer sein Pferd nicht so nah an die Tonne bekam, musste halt besser werfen 🙂

Mit Blick zum Prüfer sollte dann zwischen den Stäben angehalten und der Becher umgesetzt werden.

Danach im Schritt über die Plane, darauf einmal anhalten.

Durch die Luftballon-Gasse, auch hier einmal anhalten.

In die Rückwärts-Gasse, bis die Vorderbeine wieder draußen sind, zurück bis das Pferd ganz wieder draußen ist. Wieder im Schritt rein, in der Gasse antraben.

Im Trab über die Plane, im Trab durch das Ziel, Schritt, vor den Prüfern halten, grüßen.

Es war trocken, es machte Spaß, das Wetter wurde immer schöner, die Pferde machten toll mit.

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Die Ergebnisse:

Trail geführt:

1. Corinna – Nacariño – 76,5

2.Gerlinde – Winja – 75,5

3. Corinna – Querendón – 74,5

4. Nicole – Navarre – 72,5

5. Julia – Fey – 72

6. Doris – Fynn – 67,5

7. Tanja –  Flamenco – 66

8. Julia – Botijo – 63

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Trail geritten

1. Corinna – Querendón – 78 Punkte

2. Corinna – Nacariño – 75,5 Punkte

3. Nicole – Navarre – 72 Punkte

4. Gerlinde – Winja– 66,5 Punkte

5. Doris Fynn – 56 Punkte

Als nächstes stand der leichte Geländeritt auf dem Plan. Davor waren wohl alle Teilnehmer am meisten aufgeregt. Wir gingen die Strecke in beiden Gruppen mit den Pferden ab. Diese Gruppen waren nicht groß – es gingen in beiden Prüfungen je vier Pferde an den Start.
Doris hatte ganz eindeutig den Courage-Preis verdient, denn nach diesem mächtigen Satz von Fynn konnte sie sich nicht oben halten. Sie fiel runter, Fynn blieb bei ihr, sie krabbelte auf den Sprung, saß wieder auf und ritt weiter. Ganz große Klasse!!

So sah die leichte Geländeprüfung aus:

Gelände leicht
In frei wählbarer Linie im Schritt auf den Prüfer zu, Halten, Grüßen
Wenden Richtung Start, Startmarkierung durchreiten

rechts 1 – Wellenbahn
rechts 2 – Pflichttor zwischen den Bäumen
rechts 3 – Slalom rechts – links – rechts
rechts 4 – Senke
links 5 – kleine Birke
links (großer Bogen um die Wälle) 6 – Fichte am Teich
rechts, dann rechts oder links um das Langholz herum wenden

links 7 – Fichte am Teich
links / rechts (großer Bogen um die Wälle) 8 – kleine Birke
rechts 9 – Senke
rechts / links 10 – Slalom, Schritt seitwärts links – rechts
links Pflichttor
links 11 – Wellenbahn
links durch die Zielmarkierung, halten, grüßen

Leichter Sitz musste gezeigt werden. Die Gangart war frei wählbar, Galopp erwünscht
Der Reiter sollte die Übersicht behalten, souverän führen, gute Wege und ein passendes Tempo wählen. Loben und der Einsatz der Stimme waren ausdrücklich erlaubt.

Die Ergebnisse:

1. Maja – Dancing Doreen – 8,0

2. Julia – Fey – 7,9

3. Tanja – Flamenco – 7,5

4. Doris – Fynn – 7,0

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Auch die „schwere“ Gruppe durfte mit den Pferden abgehen – über die Plane ließen wir die Pferde einmal im Schritt gehen – das war eine große silberne, auf der standen nun auch noch ein paar kleine Pfützchen, also die war schon nicht ganz einfach. In einer Gasse aus Bäumen und Büschen lag diese Plane.

Die Linienführung war deutlich diffiziler als im leichten Kurs. Und so sah diese Prüfung aus:

Gelände schwer
Einreiten im Trab (im Bild unten rechts), vor den Prüfern (vor dem Wall) halten, grüßen
Wenden, durch die Startmarkierung reiten, ab jetzt Gangart frei wählbar
1 – Wellenbahn
Pflichttor
2 – Langholz
3 – Slalom mit drei Volten (rechts / links / rechts), davon mindestens eine in einer anderen Gangart
4 – Gasse mit Plane
5 – kleine Birke
6 – Senke mit Aussprung
7 – Teich
8 – Birke an der Wellenbahn
Pflichttor
9 – Fichte am Teich
10 – Wall
11 – Gasse mit Plane 
12 – Teich

Inken hatte zuvor gesagt, dass wir während eines Hindernisses nicht die Gangart wechseln sollten, dazwischen durften wir alle Gangarten reiten. In der Wellenbahn war das noch relativ unkritisch, für das Wasser, den Wall und die Senke würde das schwierig werden.

Ergebnisse:

1. Corinna – Querendón – 9,0

2. Nicole – Navarre – 8,9

3. Julia – Botijo – 8,8

4. Corinna – Nacariño– 8,7
(etwas übereifrig! Das „Umbauen“ eines Sprunges – ! – hatte Punkte gekostet…)

Wir einigten uns auf eine Ehrenrunde durch den Teich und danach gingen wir noch über die Plane. Jetzt durften alle nochmal, und die Pferde aus der leichten Prüfung wurden von denen aus der schweren durch den Teich und über die Plane „gezogen“. Wir hatten richtig Spaß!

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Kombination I (Dressur I, Trail geführt, Gelände I)
1. Julia – Fey – 236 Punkte

2. Tanja – Flamenco – 219 Punkte
3. Doris – Fynn – 215,5 Punkte

Kombination II (Dressur II, Trail geritten, Gelände II)
1. Corinna – Querendón – 258 Punkte

2. Corinna – Nacariño – 250,5 Punkte
3. Nicole – Navarre – 239 Punkte

Kurz entschlossen: Fortsetzung folgt am 3. Oktober!! 🙂

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