24.4.: Seminar

Seminar „Lahmheiten erkennen“

Referenten: Physiotherapeutin Martina Stöhr, Ausbilderin Corinna Scholz

Eine Krankheitswelle ließ die Teilnehmerzahl kurzfristig auf nur vier schrumpfen. Dafür wurde das Seminar um so persönlicher und intensiver. Wieder einmal verstand Martina Stöhr es, die ungeteilte Aufmerksamkeit auf die elementaren Dinge zu lenken, die jeden Pferdehalter und Reiter betreffen (können).
Woran erkenne ich Taktunreinheiten?
Was unterscheidet Taktfehler von Lahmheiten?
Was sind die Ursachen für Taktfehler und Lahmheiten?
Welche Arten von Lahmheiten gibt es?
Welche Stellungsfehler wirken sich wie aus und wie kann ich dem in der täglichen Arbeit mit dem Pferd entgegen wirken?

Die Teilnehmer lernten, was ein „Vorführbogen“ ist und wie er zu beurteilen ist. Daß ein Pferd mit eher geradem, wenn nicht gar rückständigem Hinterbein eher zum Schieben denn zum Tragen neigt. Wohin die ersten Blicke gerichtet sein müssen, um ein Pferd zu beurteilen – z.B. vor einem Kauf. Wie dann die Gangbildanalyse zu erfolgen hat und zu bewerten ist. Deutlich wurde aber auch, daß nicht alle Stellungsfehler für das Pferd eine Bedrohung darstellen müssen und daß Stellungsfehler, die in den ersten Lebensmonaten des Pferdes nicht korrigiert  wurden (sofern möglich), häufig weniger Schaden anrichten, wenn man den sich darauf eingestellten Pferdekörper einfach so läßt.

Nach dem ausführlichen Theorieteil konnte das Erkennen von Taktunreinheiten bzw. Lahmheiten  an gerittenen Pferden demonstriert werden.
Corinna Scholz gelang es, zwei sehr unterschiedliche spanische Stuten in ein neues Gleichgewicht und damit in einen Takt hineinzureiten, die zuvor aufgrund mangelnden Gleichgewichtes Taktunreinheiten bis hin zur deutlichen Lahmheit zeigten. Beide Pferde wurden von Martina Stöhr untersucht und nach Befundung behandelt, um echte Blockaden auszuschließen und so Folgeschäden zu vermeiden. Die Stuten wurden dann unter dem Sattel erst im Stand und schließlich im Schritt aufgefordert, eine andere Haltung einzunehmen und sich auf ihre Schritte zu konzentrieren. An beiden Stuten wurde deutlich, wie sehr der Reiter einen Rahmen vorgeben muß, wenn das Pferd ihn selbst noch nicht einnehmen kann. Beide Stuten, die vor kurzem noch deutliche, jedoch von Tierärzten nicht ganz klar definierte Lahmheiten gezeigt hatten, gingen über konzentriertes Seitwärts in langsamen, bewussten Schritten taktklar im Schritt und im Trab. Beide zeigten eine Dehnungsbereitschaft des Halses,  der nur soweit nachgegeben wurde, daß das Gleichgewicht nicht bedroht war. Dadurch kamen beide Stuten im Rücken zum Schwingen und konnten sich, ihren körperlichen Gegebenheiten entsprechend,  bestmöglich präsentieren.

Beeindruckend im Anschluß der 21jährige Lusitano Negócio, der den Teilnehmern ein Gefühl dafür vermittelte, daß ein Pferd auch am hingegebenen Zügel nicht auseinanderfallen muß, sofern es denn das „Tragen“ statt „Schieben“ reell über Jahre hinweg gelernt und verinnerlicht hat. Hier wurde deutlich, daß „leicht Reiten“ nicht leicht ist, und der Reiter so lange dem Pferd einen Halt bieten muß, bis das Pferd durch Kondition und Körperkraft „leicht“ werden kann.
Was Corinna Scholz vom Pferd aus und Martina Stöhr am Boden hier demonstrierten und kommentierten, war für die Teilnehmer zum Teil neu, beeindruckend und erweiterte deutlich die Horizonte.

Informationen zu Martina Stöhr sind unter „Mitglieder“ und unter www. pferdephysio.com zu finden,
Informationen zu Corinna Scholz finden Sie unter „Mitglieder“ und unter www. tanzende-hufe.de.