2.9.: Ausbildern über die Schulter geschaut

Morgenarbeit mit Johannes Beck-Broichsitter

Die dritte Station unserer Reihe „Ausbildern über die Schulter geschaut“ war am Sonntag, den 2.9., der Besuch des Johannenhofes in Heist. Dieser wird geleitetet von Johannes Beck-Broichsitter.
Die Reitschule hat eine lange Tradition. Der überwiegende Gebäudekomplex ist entsprechend alt. Es wurde zwar dieses Jahr einiges umgebaut und auch erneuert, so hat die Halle ein neues Dach bekommen, wodurch auch die  angrenzenden Boxen deutlich heller geworden sind, aber es gibt noch einiges zu tun.

Wir wurden morgens um 10.00 Uhr in der Halle von „JBB“ begrüßt, der uns einen groben Abriss der nächsten Stunden gab.
Den Anfang machte die Remontenausbildung. Hierzu holte er ein Berittpferd in die Halle. Es handelt sich um eine sehr dominante vierjährige Andalusierstute, die sich mit ihrer Rolle als Reittier noch nicht wirklich angefreundet hatte und im allgemeinen die Führungsrolle des Menschen gerne in Frage stellt. Dies zeigte sie dann auch immer wieder durch Ignoranz oder offenem Ungehorsam. Unter dem Sattel zeigte sie zudem noch deutliche Balanceprobleme. Johannes Beck-Broichsitter erläuterte und demonstrierte, wie er auf die Schwierigkeiten reagiert und welche vorrangigen Ziele er bei diesem Pferd hat.

Danach kam das Thema Handarbeit. Dazu holte er seinen über 20jährigen, erfahrenen schwarzen Oldenburger Weimar in die Halle und zeigte mit ihm Auszüge aus der klassischen Arbeit an der Hand. Danach stellte er uns das Pferd zum Ausprobieren zur Verfügung.

Weiter ging es mit seinem Nachwuchspferd, einem sechsjährigem Trakehner. Mit diesem Pferd arbeitet er – abweichend von der klassischen Lehre – auch mal mit verstärkten Körpersignalen und anderen aktuellen Methoden aus dem Bereich „Horsemanship“.

Als Krönung der Handarbeit kam sein Lippizaner-Oldie Favory Roviga (27 Jahre) in die Halle, er wurde uns am Langen Zügel vorgestellt. Der Hengst ging wirklich sehr schön und zeigte souverän sein Arbeitsprogramm. Dazu gehörten fliegende Wechsel, Galoppirouetten und auch ein wenig Piaffe. Wie toll die Arbeit mit diesem Pferd ist, konnte ich selber feststellen, da auch er zum Ausprobieren angeboten wurde und ich die Gelegenheit bei dem Schopfe packte. Ich arbeite meinen Knappstrupper Smily ja auch ein wenig am Langen Zügel, so dass es für mich ein ganz besonderes Erlebnis war, einmal mit einem so weit ausgebildeten Pferd „arbeiten“ zu dürfen. Selbst bei mir zeigte er einen fliegenden Galoppwechsel, quasi auf Knopfdruck, beeindruckend.

Nach dem beschaulichem Teil in der Halle ging es raus ins Gelände. Zur Reitanlage vom Johannenhof gehört ein großes Außengelände mit Badesee, Wassersenken und diversen festen Geländesprüngen. Hier wurde uns das letzte Thema dieses Tages, das Geländereiten, vorgestellt.
Zwei Reitschüler auf Privatpferden (beides Spanier), die seit längerem nicht im Gelände gesprungen waren, wurden, von uns begleitet, durch das Gelände geschickt. Der Schwierigkeitsgrad wurde dabei langsam gesteigert. Beginnend mit dem Überwinden eines Cavallettis wurden sie dann über Hügel, durch Wasser, kleinere Tiefsprünge sowie über Baumstämme gearbeitet. Die Pferde waren mit Spaß bei der Sache und zeigten uns deutlich, dass auch barocke Pferde durchaus Springvermögen haben können. Die beiden genossen sichtlich die Abwechslung und wurden immer munterer. Hier wurde anschaulich demonstriert, wie vielseitig auch die so genannten Spezialrassen gearbeitet werden können und daß es ihnen durchaus gut tut.

Nach einem kurzem Abschlussgespräch, bei dem die Möglichkeit bestand, Fragen zu stellen, endete für uns dieser Tag in der Reitschule Johannenhof. Rückblickend war es ein netter Tag, es ist immer wieder interessant, Ausbilder, ihre Reitanlagen sowie ihre Lehrpferde kennen zu lernen. Ich habe allerdings nicht so viele Anregungen mit nach Hause nehmen können wie bei den vorherigen Veranstaltungen.

Ein Bericht von Ines Lampe

Johannes mit seinem jungen Trakehner

der 27jährige Lipizzaner Favory Roviga

Ines und Favory Roviga

im Gelände